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Führungswechsel:Chinas neue Mächtige

Nur Insider kennen die Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas, die derzeit als Kandidaten für den Ständigen Ausschuss des Politbüros gehandelt werden. Ob Reformer oder Blockierer in Chinas Machtzentrum einziehen, entscheidet über die künftige Strategie der Weltmacht.

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Combination picture of main candidates vying for seven seats on China's Communist Party party's next Politburo Standing Committee

Quelle: REUTERS

Sie gehören bald zu den mächtigsten Menschen der Welt, doch ihre Gesichter sind nur wenigen bekannt: Wie Chinas Kommunistische Partei den Ständigen Ausschuss ihres Politbüros besetzt, entscheidet über die Ausrichtung des riesigen Reiches. Bereits vor dem am Donnerstag in Peking beginnenden Parteitag dürfte die politische Elite die Postenvergabe ausgehandelt haben. Wer ins Zentrum der Macht darf, sickerte dabei bis auf die wohl schon lange feststehenden Ämter Präsident und Ministerpräsident noch nicht durch. Es wird aber vermutet, dass eher konservative Kräfte in das Gremium einziehen werden, das von neun auf sieben Posten verkleinert werden soll.

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Führungswechsel:Xi Jinping

Der unauffaellige Aufsteiger

Quelle: dapd

Xi Jinping

Xi Jinping wird wohl im März 2013 Chinas nächster Präsident. Doch was genau er vorhat, lässt sich aus seiner Biografie nicht ablesen. Der 59-Jährige gilt als Pragmatiker, der jenseits einer gewissen Marktfreundlichkeit als Vize-Bürgermeister der Hafenstadt Xiamen, Gouverneur der Provinzen Fujian und Zhejiang oder als kurzzeitiger Parteichef in Shanghai kaum von sich reden machte.

Dass politische Auffälligkeiten noch nie das beste Mittel waren, um in China Erfolg zu haben, wusste allerdings bereits sein Vater: Der ehemalige Vize-Ministerpräsident Xi Zhongxun fiel als Freund eines Mao-Kritikers 1962 in Ungnade, Sohn Xi wurde aufs Land verbannt.

Nach der Rehabilitation half der Vater kräftig beim politischen Aufstieg Xi Jinpings mit, gute Verbindungen zum ehemaligen Präsidenten Jiang Zemin brachten ihn in den engen Führungszirkel der Partei. Sein Ansehen in KP und Volk könnten ihm durchaus helfen, eigene Akzente zu setzen. Angesichts der vielen Probleme des Landes erwarten viele Beobachter allerdings einen eher konservativen Kurs.

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Führungswechsel:Li Keqiang

File photo of China's Vice Premier Li Keqiang in Brussels

Quelle: REUTERS

Li Keqiang

Der designierte Ministerpräsident löst im März kommenden Jahres seinen bis vor kurzem äußerst beliebten Vorgänger Wen Jiabao ab. Sein Aufstieg verlief über die Jugendorganisationen der KP, 1999 wurde er in Henan mit 43 Jahren zum jüngsten Gouverneur in China. In seine Amtszeit fällt die versuchte Vertuschung eines gigantischen Aids-Skandals, bei dem sich Zehntausende Blutspender infiziert hatten. Nach dem Posten des Parteisekretärs in der Provinz Liaoning rückte Li in den Ständigen Ausschuss des Politbüros auf. Der Politiker gilt als Schützling des scheidenden Präsidenten Hu Jintao und damit als gemäßigt liberal. Größeren Rückhalt in der Partei besitzt er aber nicht.

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Führungswechsel:Zhang Dejiang

Hamburg Summit: China meets Europe

Quelle: dpa

Zhang Dejiang

Wenn der Sohn eines ehemaligen Luftwaffengenerals in den Ständigen Ausschuss der KP aufrückt, könnte dies viel über die künftige Ausrichtung des Landes verraten: Bereits zehn Jahre ist Zhang Mitglied des Politbüros, er gilt weder ökonomisch noch in Fragen der freien Meinungsäußerung als progressiv.

Auch sein politisches Wirken ist umstritten: Während seiner Zeit in Guangdong informierte Zhang die Öffentlichkeit nur unzureichend über die Sars-Epidemie; als Vizepremier machte er keine gute Figur, als er den öffentlichen Wutsturm nach dem schweren Eisenbahnunglück in der Provinz Zhejiang unterschätzte.

Zhang wird allerdings offenbar zugetraut, für Stabilität zu sorgen. In Chongqing übernahm er den Parteichef-Posten des entmachteten Spitzenpolitiker Bo Xilai, um vor Ort für Ruhe zu sorgen. An der koreanischen Grenze aufgewachsen gilt er als Kenner Nordkoreas, wo er auch eine Zeit lang studiert hat.

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Führungswechsel:Li Yuanchao

File photo of Li, Organisation Minister of China's Communist Party Central Committee, in Beijing

Quelle: REUTERS

Zwischen 2002 und 2007 war Li Yuanchao Parteichef in seiner Heimatprovinz Jiangsu, wo er sich unter anderem für Umweltschutz einsetzte. Überhaupt gilt der 62-Jährige als vergleichsweise reformfreudig. Immer wieder forderte der Sohn des früheren stellvertretenden Bürgermeisters von Shanghai mehr innerparteiliche Demokratie.

Seit 2007 ist er Mitglied im Politbüro und im Zentralkomitee, in dem er außerdem die wichtige Organisationsabteilung leitet: Sie ist für Personalfragen in der KPCh zuständig. Weil seine politische Karriere in der KP-Jugendliga begann, soll er Hu Jintao nahestehen.

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Führungswechsel:Yu Zhengsheng

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Quelle: AFP

Zu den Politikern Chinas mit den klingendsten Namen gehört der Parteivorsitzende von Shanghai, Yu Zhengsheng (rechts neben dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler). Wie viele Topkader ist er "Prinzling", also Spross einer einflussreichen Familie. Sein Vater Huang Jing war Bürgermeister von Tianjin und außerdem in erster Ehe mit Jiang Qing, der späteren Frau von Mao Zedong, verheiratet; sein Schwiegervater war in hoher Position bei der Armee.

Er gilt als Schützling von Jiang Zemin und dessen Gönner Deng Xiaoping, also nicht als Vertrauter Hu Jintaos. Weil Yu bereits 67 Jahre alt ist, also der alten Führungsgeneration angehört, scheint es allerdings eher unwahrscheinlich, dass er in den Ständigen Ausschuss aufrückt.

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Führungswechsel:Wang Yang

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Quelle: AFP

Wang Yang

Der Erzrivale des in Ungnade gefallenen Bo Xilai gilt als unorthodox und für KP-Verhältnisse liberal. Als Parteichef in der bevölkerungsreichen Boom-Provinz Guangdong regiert er eine der wichtigsten Regionen des Landes und lässt dort sogar bis zu einem gewissen Grad Redefreiheit für Medien und Bürger zu. Seine Entscheidung, nach Protesten im Fischerdorf Wukan ein umstrittenes staatliches Landnahmeprojekt zu widerrufen, brachte ihm in den Staatsmedien durchaus positive Berichterstattung.

Mit 57 Jahren gehört er zu einer neuen Generation und pflegt gute Kontakte zu Hu Jintao und Wen Jiabao. Womöglich ist er der alten Garde aber zu liberal, auch die wahrscheinliche Reduzierung der Ausschuss-Sitze von neun auf sieben spricht gegen ihn.

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Führungswechsel:Wang Qishan

China's Vice Premier Wang Qishan addresses the opening ceremony of the US-China Strategic and Economic Dialogue in Washington

Quelle: REUTERS

Der Verantwortliche für die Olympischen Spiele in Peking 2008 hat sich auch als Vorsitzender mehrerer Banken einen Namen gemacht. Dabei ist er eigentlich Historiker, anders als viele andere Angehörige der aktuellen Führungsgeneration, die oft Ingenieurswissenschaften studiert haben.

Zwischen 2003 und 2007 amtierte der 64-Jährige als Bürgermeister der Hauptstadt Peking, brachte dort die Sars-Epidemie in den Griff; 2007 rückte er ins Politbüro auf. Ein Jahr später bekam er einen von vier Vize-Posten im Staatsrat. Wang, der gute Kontakte in die USA hat und der vom ehemaligen US-Finanzminister Henry Paulson als "global denkender" Politiker gelobt wurde, setzt sich für eine Liberalisierung des Handels ein.

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Führungswechsel:Liu Yandong

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Quelle: AFP

Liu Yandong

Die einzige Frau im 25-köpfigen Politbüro. Doch schafft die 67-Jährige es auch als erste Frau überhaupt in den Ständigen Ausschuss? Die Tochter eines früheren Landwirtschaftsminister legte den Grundstein für ihre Karriere durch ihre unermüdliche Tätigkeit in der Jugendorganisation der KP. Sowohl Hu Jintao als auch Jiang Zemin und ihre zugehörigen Lager sind ihr gewogen.

Allerdings gilt sie als Verfechterin eines größeren Einflusses für Interessengruppen und Nichtregierungsorganisationen - eine Sicht, die bei der gegenwärtigen fragilen Lage womöglich nicht viele in der Führung teilen.

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Führungswechsel:Liu Yunshan

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Quelle: AFP

Liu Yunshan

Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich der einstige Lehrer in der Partei um Propaganda und Zensur, seit einigen Jahren als Minister und Politbüro-Mitglied. Sein Sohn ist der Chef des Investmentarms der staatlichen Bank Citic, gilt als äußerst mächtig und ist zudem angeblich mit der Tochter von Jia Chunwang verheiratet, dem ehemaligen Leiter der Obersten Volksstaatsanwaltschaft. Ein Platz im Ständigen Ausschuss wäre eine Belohnung für den Versuch, die rigorose Zensur auch im Internet-Zeitalter durchzusetzen.

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Führungswechsel:Zhang Gaoli

The Third Plenary Session Of The National People's Congress (NPC)

Quelle: Getty Images

Zhang Gaoli

Der Parteisekretär der 13-Millionen-Einwohner-Stadt Tianjin arbeitete lange in der Ölindustrie, später machte er sich als hoher Funktionär in wirtschaftsstarken Provinzen wie Guangdong, Shandong oder der Stadt Shenzhen einen Namen. Seine Arbeit in Sonderwirtschaftszonen macht ihn zu einem in ökonomischer Hinsicht liberalen Kandidaten. Als klassischer chinesischer Parteifunktionär gilt er als blass und ohne große eigene Ideen.

© Süddeutsche.de/joku/josc/bavo

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