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Führungsdebatte in der Linkspartei:Wagenknecht ruft nach dem Retro-Duo

Früher war alles besser: Sahra Wagenknecht sehnt sich nach den erfolgreichen Zeiten der Linken zurück und schlägt Oskar Lafontaine und Gregor Gysi als Spitzenduo für den Wahlkampf 2013 vor. Widerspruch kommt aus Thüringen: Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow will zunächst in einer Urwahl über die Parteiführung abstimmen lassen - und nennt im Gespräch mit sueddeutsche.de potentielle Kandidaten.

Oskar Lafontaine und Gregor Gysi an der Spitze? Das klingt für viele Mitglieder der Links-Partei nach besseren Zeiten, als die Linken bei Wahlen noch erfolgreich abschnitten - und sich nicht einen Dauer-Clinch um ihre Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst leisteten.

Co party leader Lafontaine of the left-wing party Die Linke and party fellow Gysi address a news conference  in Berlin

Oskar Lafontaine (links) und Gregor Gysi stehen für bessere Zeiten der Linkspartei. Nun sollen sie nach dem Willen von Sahra Wagenknecht wieder als Doppelspitze fungieren - zumindest für den Wahlkampf 2013.

(Foto: REUTERS)

Vier Jahre lang, von 2005 bis 2009, führten Latontaine und Gysi gemeinsam die Bundestagsfraktion der Linken. Lafontaine war zudem gemeinsam mit Lothar Bisky Parteivorsitzender. Nun soll das Duo wieder eine wichtige und gemeinsame Rolle spielen - zumindest, wenn es nach Sahra Wagenknecht geht.

Die intern umstrittene Vertreterin des linken Parteiflügels schlug in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung vor, mit Lafontaine und Gysi als Spitzenduo in den Wahlkampf 2013 zu ziehen. "So eine Konstellation wird von der übergroßen Mehrheit der Linken gewünscht", sagte Wagenknecht, die auch stellvertretende Bundesvorsitzende ist.

Ramelow plädiert für Urwahl

Oskar Lafontaine stehe für den größten Wahlerfolg, den man als Linke je erreicht habe, sagte sie - 2009 erreichte die Partei bei den Bundestagswahlen fast zwölf Prozent. Kurz danach zog sich der Saarländer aus gesundheitlichen Gründen aus der Bundespolitik zurück. "So ein Ergebnis wieder zu kriegen, ist ein enormer Anspruch. Wir müssen unser Personal so aufstellen, dass die Linke gestärkt und nicht geschwächt in den nächsten Bundestag kommt", sagte Wagenknecht.

Lafontaine und Gysi an die Spitze? Bodo Ramelow, führender Kopf der Linken aus Thüringen, hält das für übereilt. Zunächst müsse die Partei auf dem Erfurter Parteitag Ende Oktober ihr Programm verabschieden. Dann solle über die Parteiführung diskutiert werden - und anschließend über die Frage der Spitzenkandidatur.

"Wir müssen etwas Neues wagen, da gebe ich Sahra Wagenknecht recht. Aber das Neue muss eine Urwahl sein, bei der alle Mitglieder über die Parteiführung abstimmen können", sagte der Fraktionschef der Linken in Thüringen im Gespräch mit sueddeutsche.de.

"Der Erfolg gibt ihnen recht"

Auf dem Stimmzettel sollen nach Ramelows Vorstellungen das bisherige Führungsduo Lötzsch/Ernst Wagenknecht sowie der einstige Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch stehen. Aber auch Lafontaine und Gysi sieht der Fraktionschef der Linken im Erfurter Landtag in der Kandidatenrolle: "Sie sind das Erfolgsduo zweier Bundestagswahlen, der Erfolg gibt ihnen recht."

Wagenknechts Unterstützung für Lafontaine kommt nicht von ungefähr, die beiden gelten seit langem als politische Weggefährten. Die 42-Jährige selbst wird als Anwärterin für die Fraktionsführung im Bundestag gehandelt. Auch für die nächste Parteispitze ist sie im Gespräch. Insofern sind ihre Forderungen auch ein Hieb gegen Lötzsch und Ernst, die in den Augen vieler Linker seit ihrem Antritt 2010 vor allem Unruhe provoziert haben.

Formal nahm Wagenknecht das derzeitige Führungsduo der Partei freilich in Schutz. "Dieser Führung wurde wirklich vom ersten Tag an, auch aus den eigenen Reihen, das Leben verdammt schwer gemacht. Beide wurden immer wieder aus den eigenen Reihen heraus demontiert", sagte sie.