Steigende KostenOnline-Unterricht und „Laienausbildung“: So soll der Führerschein reformiert werden

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Möglicherweise können in Zukunft auch Eltern und Freunde bei der praktischen Fahrausbildung helfen.
Möglicherweise können in Zukunft auch Eltern und Freunde bei der praktischen Fahrausbildung helfen. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Derzeit liegen die Kosten bei 3400 Euro. Verkehrsminister Schnieder stellt in einem neuen Paket vor, wie das Lernen von Autofahren digitaler und weniger bürokratisch werden kann.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat in einem nächsten Schritt zu einer Reform umfassende Vorschläge für einen günstigeren Führerschein vorgelegt. „Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer“, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Schnieder hatte bereits im vergangenen Oktober erste Vorschläge gemacht. Nach einem Treffen der Arbeitsgruppe mit den Ländern legte das Ministerium nun einen detaillierten Katalog vor.

Der Erwerb des Führerscheins solle einfacher und digitaler werden, für Fahrschulen solle es weniger Bürokratie geben. Konkret geplant ist die Möglichkeit eines bei den Theoriestunden reinen Online-Unterrichts. Fahrschulen sollen darauf verzichten können, Schulungsräume mieten oder kaufen zu müssen. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um knapp 30 Prozent verringert werden. Die Zahl verpflichtender Sonderfahrten beim Pkw-Führerschein – das sind etwa Autobahnfahrten – soll verringert werden.

Vorbild Österreich: mit Eltern die praktische Fahrausbildung trainieren

Geplant ist außerdem eine „Experimentierklausel“ – dabei geht es um eine auf fünf Jahre zeitlich befristete Regelung über eine „Laienausbildung“. Einen Teil der praktischen Fahrausbildung für den Erwerb des Pkw-Führerscheins sollen Fahrschüler mit Eltern oder Freunden absolvieren können – in Österreich werde dies erfolgreich gemacht.

Schnieder will außerdem mehr Preistransparenz schaffen: Fahrschulen sollen Preise online verfügbar machen. Die Daten sollen dann Vergleichsportale aufbereiten können. Kein Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, sagte Schnieder. „Das ist und bleibt die rote Linie.“

Laut Ministerium liegen die Kosten für einen Pkw-Führerschein im Durchschnitt bei rund 3400 Euro. Schnieder bekräftigte, es gebe nicht sofort ein neues „Preisschild“ für den Führerschein. Der Minister hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März, danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden.

Seit den Ankündigungen Schnieders, dass der Führerschein günstiger werden soll, ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Der Grund: Viele potenziell neue Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein günstiger wird.

Viele fallen durch die erste Prüfung

Auf dem Weg zum Pkw-Führerschein hat es im vergangenen Jahr in Deutschland erneut hohe Durchfallquoten gegeben. 44 Prozent der Fahrschülerinnen und Fahrschüler scheiterten bei der Theorieprüfung und 37 Prozent bei der praktischen Prüfung. Das zeigt ein aktueller Datenreport des TÜV-Verbands. Die Zahlen beziehen sich auf den Pkw-Führerschein der Klassen B und B17 – B17 steht für begleitetes Fahren ab 17.

Der TÜV-Verband sprach von einem hohen, aber weitgehend konstanten Niveau bei der „Nichtbestehensquote“ – bezogen auf Erst- und Wiederholungsprüfungen zusammen. 2024 lag die Durchfallquote bei 45 Prozent in der Theorie und 37 Prozent in der Praxis.

Binnen zehn Jahren zeigen sich aber deutliche Unterschiede: 2016 lagen die Durchfallquoten bei 37 Prozent in der Theorieprüfung und 32 Prozent bei der Praxisprüfung. Unter 18-Jährige schneiden besser ab: Nur 35 Prozent fielen durch die theoretische und 24 Prozent durch die praktische Prüfung. „Junge Menschen, die am begleiteten Fahren ab 17 teilnehmen, schneiden in den Prüfungen deutlich besser ab“, so Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband.

Insgesamt stieg die Zahl der Führerscheinprüfungen im Jahr 2025 laut TÜV-Verband auf einen neuen Höchststand: Über alle Klassen hinweg wurden 2,04 Millionen Theorieprüfungen und rund 1,89 Millionen Praxisprüfungen abgelegt.

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