Front National:Entsetzen über die "Normalisierung" der Rechten

Front National: Genügend Gründe für gute Laune: Marine Le Pen.

Genügend Gründe für gute Laune: Marine Le Pen.

(Foto: Reuters)

Am gereinigten Ruf der Partei ändert auch nichts, dass sich unter den 3800 FN-Kandidaten zunächst ein Dutzend rückfällige Bewerber fanden: Nach rassistischen Bemerkungen gegen Juden wie Muslime oder nach Affen-Witzen über Frankreichs schwarze Justizministerin Christiane Taubira wurden sie von der Partei zum Verzicht gezwungen. Le Pen polierte den Imageschaden gleich mit einer neuen Umfrage auf: 73 Prozent der Bürger in jenen zehn Städten, die bei den Kommunalwahlen vor einem Jahr dem FN die Mehrheit im Rathaus schenkten, sind heute "ganz oder überwiegend zufrieden" mit ihren neuen Bürgermeistern. Der Front National wird zum Front Normal.

Es gibt Franzosen, die diese "Normalisierung" entsetzt. Einer, der das laut sagt, ist Manuel Valls: Er habe "Angst, dass mein Land am FN zerschellt", hat der sozialistische Premierminister neulich bekannt. Gegen den Rat vieler PS-Parteifreunde, die den Chef einer unpopulären Regierung vor einer "Nationalisierung des Wahlkampfes" warnten, wettert Valls fast jeden Tag gegen den FN. Das europafeindliche Wirtschaftsprogramm, so Valls, würde "Frankreich ruinieren", der Populismus der Le-Pen-Partei "täuscht die kleinen Leute." Valls kennt die Umfragen, er weiß, dass seine sozialistische Partei spätestens im zweiten Wahlgang am 29. März etwa 40 der 61 von den Sozialisten derzeit regierten Departements verlieren wird.

"Den Krieg, davor habe ich keine Angst"

Auch Nicolas Sarkozy, der in die Politik wiedergekehrte Ex-Präsident, warnt vor dem Front National. Darüber freilich, dass Valls Angst vor dem FN bekundet, höhnt der Chef der rechts-bürgerlichen UMP: Der Premier solle "lieber regieren als ständig große Reden zu schwingen". Nur, zu viel Zurückhaltung mag auch Sarkozy nicht üben. Mitte dieser Woche erklärte er das Duell mit Marine Le Pen zu einem Motiv für seine Rückkehr in die politische Arena: "Ich bin seit zehn Jahren ihr wichtigster Gegner, sie hat begriffen, dass ich das Hindernis bin", sprach Sarkozy. "Den Krieg, davor habe ich keine Angst - den wird sie haben!"

Zugleich beginnt Sarkozy, Positionen seiner Erzfeindin zu kopieren. Zur Überraschung seiner eigenen Partei etwa sprach sich der neue UMP-Vorsitzende dafür aus, das Kopftuch-Verbot auf Universitäten auszuweiten. Oder zu verbieten, dass die Kantinen staatlicher Schulen muslimischen Kindern ein Ersatzessen für Schweinefleisch-Gerichte anbieten. Er habe, so versichert Sarkozy, dazugelernt: "Statt Integration müssen wir zu einer Politik der Assimilation übergehen."

Die FN-Chefin genießt es sichtlich, wie die etablierten Parteien auf sie einschlagen: "Der FN ist zum Mittelpunkt dieser Wahl geworden", triumphiert sie. Zugleich helfen ihr die Attacken, den FN "als Opfer des Systems" von UMP und PS darzustellen. Dass Sarkozy jetzt nach rechts rückt und FN-Ideen aufgreift, erfüllt sie mit Genugtuung. Ihre Partei wirkt normaler denn je.

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