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Friedrich und der Islam:Der Minister stampft nicht mehr

Erst gab er das politische Rumpelstilzchen, nun hat Innenminister Friedrich tapsig die Brücke der Versöhnung mit dem Islam betreten. Die Tage des trotzigen Aufstampfens sind nun hoffentlich vorbei.

Von Regensburg aus zog einst Kaiser Barbarossa, von Regensburg aus zogen drei Kreuzzüge in den Orient. In dieser Stadt begann vor tausend Jahren der Kampf der Kulturen, der Kampf zwischen der Christenheit und "den Ungläubigen".

Bundesinnenminister Friedrich beim 'Regensburger Gespraech zur Religion in der Gesellschaft'

Bundesinnenminister Friedrich beim Regensburger Gespräch zur Religion.

(Foto: dapd)

Wenn Brücken geschlagen werden sollen zwischen den Gegnern von einst, bietet sich diese Stadt an (schließlich steht hier auch die berühmte Steinerne Brücke). Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sie soeben tapsig vorsichtig betreten. Beim "Regensburger Religionsgespräch" war er ein suchender Innenminister, einer, der sich Mühe gab zu zeigen, dass ihm der Dialog mit den Muslimen in Deutschland und mit dem Islam wichtig ist.

Am Beginn seiner Amtszeit hatte der Minister noch das politische Rumpelstilzchen gespielt: Der Islam, so erklärte er vor ein paar Wochen, gehöre nicht zu Deutschland - und setzte sich so in Widerspruch zu seinen Vorgängern im Ministeramt und zum Bundespräsidenten.

Bei seiner ersten Islamkonferenz, die Friedrich zu leiten hatte, musste er die negativen Nachwirkungen des fatalen Satzes spüren: Als Minister, der für den inneren Frieden zuständig ist, hatte er Unfrieden gestiftet und Misstrauen gesät. Die Tage des trotzigen Aufstampfens sind nun hoffentlich vorbei. Es gab in Regensburg gewisse Anzeichen dafür, dass der neue Innenminister seine ersten hundert Tage nutzt, um die Politik des Miteinanders, die der Innenminister Wolfgang Schäuble begonnen hat, zu erspüren und fortzusetzen.

Es ist ziemlich egal, ob man ein gutes Zusammenleben "Multikulti" oder "kulturelle Vielfalt", "buntes Deutschland" oder Integration nennt: Hauptsache, man tut etwas dafür.

© SZ vom 13.04.2011/afis

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