BundeswehrFriedrich Merz bei der Marine – ein ernster Wohlfühltermin

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Kein CSU-Kapitän in Sicht: der Regierungschef bei den Seestreitkräften.
Kein CSU-Kapitän in Sicht: der Regierungschef bei den Seestreitkräften. Annegret Hilse/Reuters

Der Bundeskanzler hat beim Antrittsbesuch sichtlich gute Laune an Bord einer Fregatte. Die heißt ausgerechnet „Bayern“.

Von Bastian Brinkmann, Warnemünde

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Friedrich Merz sucht das U-Boot. Der Kanzler steht an der Reling der Fregatte Bayern. Es ist sein Antrittsbesuch bei der Marine, die Seestreitkräfte lassen den CDU-Chef bei mehreren Übungen mitlaufen. Vor Merz donnert der Fernaufklärer vorbei, ein Flugzeug voller Sensoren, das U-Boote aufspüren kann. Merz ignoriert den Lärm, schaut auf die Ostsee. In dieser Übung wird das U-Boot gefunden und taucht auf.

Die Streitkräfte zu ertüchtigen, ist eines der zentralen Politikversprechen der Kanzlerschaft Merz. „Die Bedrohung durch Russland ist real“, sagt er an Bord der Fregatte. „Wir sehen es auch hier in der Ostsee.“ Er habe sich von den Soldatinnen und Soldaten über die Bedrohungslage informieren lassen. Die russische Armee teste täglich die Verteidigung. „Wir werden in den nächsten Monaten und in den nächsten Jahren alles tun, um die Freiheit, den Frieden und die territoriale Integrität des Bündnisgebietes zu schützen“, verspricht Merz. Seit den Nato-Beitritten von Finnland und Schweden gehören auch diese beiden Ostseeanrainer zum Bündnisgebiet.

Das Schiff hat zwei Dutzend Fässer Augustiner geladen

Eine richtige Wehrpflicht gehört zu diesem „alles“, das Merz hier verspricht, allerdings vorerst nicht dazu. Erst am Vortag hatte das Bundeskabinett bei einer Sitzung im Verteidigungsministerium beschlossen, dass die Musterung für junge Männer wieder Pflicht werden soll. Viel mehr Zwang ist in diesem Gesetz allerdings nicht vorgesehen, das war mit der SPD nicht zu machen.

Der aus Sicht der Union bisweilen renitente Koalitionspartner ist nicht mitgekommen auf die Fregatte. So kann der Kanzler seinen ernsten Wohlfühltermin im Seegebiet vor Warnemünde zwei Stunden lang ungestört von Koalitionsstreitigkeiten absolvieren. Und obgleich das Schiff Bayern heißt und knapp zwei Dutzend Fässer Augustiner geladen hat, trifft Merz auf der Brücke keinen CSU-Kapitän mit eigenen Vorstellungen, sondern kann auch ohne mühsames Abstimmen mit der lieben Schwesterpartei seinen Funkspruch absetzen.

In ziemliche Schieflage gerät das Schiff nur während der Übung zur Luftverteidigung, das aber absichtlich. Zwei Kampfjets jagen immer wieder über die Fregatte hinweg, um Angriffe zu simulieren. Kameraden vermuten, dass es den beiden Piloten gut gefalle, ihre Fähigkeiten dem Hobbypiloten Merz vorzuführen.

An Deck wird Chili con Carne gegessen

Der Kanzler hat eine eingeübte Beziehung zur Bundeswehr, das merken auch die Soldaten sofort. Nachdem ein Helikopter Merz auf dem Schiff abgesetzt hat, geht er locker auf die Soldaten zu, kommt schnell ins Gespräch. Er lässt sich Unterwasserdrohnen zeigen, die Minen aufspüren und zerstören können. Merz stützt sich locker auf das Modell Seefuchs, während er zuhört. Die Soldaten loben hinterher seine Nachfragen, fühlen sich ernst genommen vom Kanzler. Mit einigen isst er auch an Deck zu Mittag, es gibt Chili con Carne.

In einer kurzen Ansprache geht Merz direkt auf die Soldaten ein. Nicht Schiffe würden Deutschland verteidigen, sondern Menschen. Deswegen sage er für die Bundesregierung zu, alles zu tun, dass die Soldaten nicht nur bestmöglich ausgerüstet seien, sondern auch Fürsorge durch die Politik erfahren. „Wir wissen, dass sie Familien haben“, sagt Merz. Er habe den allergrößten Respekt vor den Marinesoldaten, die Wochen und Monate auf Schiffen unterwegs seien, ohne die Familien sehen zu können.

Vor seinem Ausflug auf die Ostsee war Merz in Rostock. Dort besuchte er das Ostsee-Hauptquartier der Marine, das erst 2024 gegründet wurde. Die Marine ist die zweitkleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr. Bei der Luftwaffe arbeiten rund doppelt so viele Soldaten, das Heer ist noch mal deutlich größer. Nur die Cyber-Truppe ist kleiner.

Um sich auf den Besuch des Kanzlers einzustimmen, spielt die Besatzung der Bayern kurz vor seinem Einflug übrigens „Thunderstruck“ von AC/DC über die Lautsprecher ab. Einen Song, den man passend für Merz finden kann: Beide sind schon etwas älter, beide werden von ihren Fans für den männlich-markigen Sound geschätzt – und beide sorgen zumindest an Bord der Fregatte für gute Laune.

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