Friedrich Merz "Ich traue mir ein Ministeramt zu"

Nach seiner Niederlage im Wettstreit um den CDU-Vorsitz hat er sich erst einmal bedeckt gehalten. Aber jetzt spricht Friedrich Merz über seine Zukunftspläne - und über die Defizite, die es seiner Meinung nach in der Politik gibt.

Von Robert Roßmann, Berlin

Der in der Abstimmung um den CDU-Vorsitz unterlegene Friedrich Merz hat sich nach längerem Schweigen zu seinen Zukunftsplänen geäußert. Merz sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er habe in einem Gespräch mit der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sein Angebot bekräftigt, "wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen" und dafür auch seine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben. Sie hätten zwar "noch nichts Konkretes vereinbart", Kramp-Karrenbauer und er seien aber übereingekommen, Ende Januar oder Anfang Februar "im Lichte der Entwicklungen" erneut miteinander sprechen. Auf die Frage, ob für ihn auch die Übernahme eines Bundesministeriums infrage komme, sagte Merz, er würde sich ein solches Amt aufgrund seiner "Erfahrungen in Wirtschaft und Politik zutrauen". Dies liege aber nicht in seiner Hand, sondern sei "Sache der Kanzlerin".

Merz bestätigte Berichte, denen zufolge bei seiner Kandidatur Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine Rolle gespielt habe. "Schäuble gehört zu denen, die mich ermuntert haben, in die Politik zurückzukehren", sagte Merz. Schäuble sei aber "nicht der alleinige Grund dafür, dass ich mich dazu entschieden habe".

Befürchtungen, er könne die hohen Erwartungen seiner Anhänger enttäuschen, hat der frühere Unionsfraktionschef offenbar nicht. Merz sagte, es sei "erstaunlich, dass jemand, der so lange draußen war aus der aktiven Politik, mit wenigen Wochen Anlauf auf einem Parteitag fast die Hälfte der Delegiertenstimmen und einen so großen Zuspruch an der Basis bekommt". Der Grund dafür scheine zu sein, dass "ganz offensichtlich ein Teil des politischen Anspruchs" vieler CDU-Mitglieder in den vergangenen Jahren nicht erfüllt worden sei und es "einen Bedarf an bestimmten Inhalten und politischer Klarheit gibt". Das Bedürfnis großer Teile der Bevölkerung, "dass mehr wirtschaftliche Sachkompetenz in die Politik eingebracht und komplexe Sachverhalte stärker erklärt werden", sei groß. Er sei bereit, "an geeigneter Stelle daran mitzuwirken, dass wirtschaftsliberale und wertkonservative Inhalte stärker in die CDU eingebracht werden, damit die CDU wieder die starke Kraft der politischen Mitte wird". Zu seinem Bedauern gebe es ja "nicht so viele Menschen", die gleichzeitig Erfahrungen in der Politik, im Beruf und in einer freiberuflichen Tätigkeit haben.