Friedrich Merz Alte Ämter, neue Ämter

Verbindungen in die Privatwirtschaft: Merz ist Anwalt, Mitglied in mehreren Aufsichtsräten und Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke.

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Wohin führt es den Mann, der CDU-Chef werden wollte, nach seiner Wahlniederlage? Bleibt er in der Wirtschaft?

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Die berufliche Zukunft von Friedrich Merz ist nach dessen Niederlage bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden noch nicht entschieden. Merz hatte angekündigt, seine Anwaltszulassung ruhen zu lassen und seine fünf Aufsichtsratsmandate niederzulegen, sollte er auf dem Parteitag zum neuen Vorsitzenden seiner Partei gewählt werden. Die Wahl hat er verloren, für andere Parteiämter kandidierte er nicht mehr. Etliche Delegierte aber äußerten den Wunsch, Merz solle auch künftig wieder mehr Verantwortung in der Partei übernehmen - darunter die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie werde in den nächsten Tagen mit Merz darüber sprechen, wie dieser sich einbringen wolle, sagte sie am Wochenende.

Merz hatte das Unternehmen Blackrock mit seiner Kandidatur für den CDU-Vorsitz überrascht

Das Ergebnis dieser Gespräche wird auch für die Beziehung zwischen Merz und der Fondsgesellschaft Blackrock entscheidend sein. Merz leitet seit dem Frühjahr 2016 den Aufsichtsrat der deutschen Abteilung des weltweit größten Vermögensverwalters. Er hatte das Unternehmen Ende Oktober mit seiner Kandidatur überrascht. "Friedrich Merz ist Aufsichtsratsvorsitzender der Blackrock Asset Management Deutschland AG. Daran hat sich nichts geändert", sagte ein Blackrock-Sprecher am Montag. Falls Merz wider Erwarten doch eine herausgehobene Funktion in seiner Partei übernimmt, hätte die Zusammenarbeit aber wohl keine Zukunft. Mit einem Wahlkämpfer und CDU-Redner Merz hätte man offenbar kein Problem, mit einem Amtsträger Merz schon eher. Ein Sprecher von Merz wollte sich am Montag nicht zu Fragen nach dessen Mandaten äußern.

Sein vorerst letztes politisches Amt hatte Merz mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag im Oktober 2009 niedergelegt. Seither ist er Anwalt, Mitglied in mehreren Aufsichtsräten und Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke. Neben seiner Position bei Blackrock leitet er die Kontrollgremien des sauerländischen Papierherstellers Wepa und des Flughafens Köln-Bonn. Weitere Mandate hat er beim Schweizer Zughersteller Stadler Rail und bei der Bank HSBC Deutschland. Letztere führt Merz auch als Vorsitzenden des Verwaltungsrats, der eine beratende Funktion hat und nur selten tagt. In den Wochen vor dem CDU-Parteitag hatte Merz wiederholt Kritikern widersprochen, die wegen seiner Posten in der Privatwirtschaft politische Interessenkonflikte vermuteten.