Nachruf:Unermüdlich, furchtlos und immer unterwegs

Nachruf: Spanien, Lateinamerika, Italien: Friedrich Kassebeer war mehr als drei Jahrzehnte lang als furchtloser Reporter für die "Süddeutsche Zeitung" in der Welt unterwegs.

Spanien, Lateinamerika, Italien: Friedrich Kassebeer war mehr als drei Jahrzehnte lang als furchtloser Reporter für die "Süddeutsche Zeitung" in der Welt unterwegs.

(Foto: privat)

Er war Zeitzeuge, als General Franco in Spanien starb und als Argentinien die Falklandinseln besetzte. Jetzt ist der langjährige SZ-Korrespondent Friedrich Kassebeer im Alter von 92 Jahren gestorben.

Von Wolfgang Krach

Er hat sie alle erlebt, die Diktatoren Mittel- und Südamerikas, die uns bis heute als Figuren der Zeitgeschichte begegnen. Augusto Pinochet in Chile, Jorge Videla in Argentinien, Fidel Castro in Kuba, Anastasio Somoza in Nicaragua - und zuvor schon General Francisco Franco in Madrid. Spanien und die iberoamerikanischen Staaten hatten es Friedrich Kassebeer angetan, sie waren seine Herzensländer als Journalist, er hielt sie für den Nukleus der Kultur.

Angefangen hatte Kassebeer, geboren 1930 in Hannover, nach der Journalistenschule mit 23 Jahren als Lokalreporter in Aachen. 1960 wechselte er als Landeskorrespondent zum Spiegel nach Düsseldorf, ehe er nach einem Umweg über die Welt und den WDR 1968 bei der Süddeutschen Zeitung (SZ) landete, zunächst ebenfalls als Korrespondent für Nordrhein-Westfalen. 1972 erfüllte sich sein Traum, er ging nach Madrid. Dort war er Zeitzeuge der letzten Jahre des Diktators Franco, der "Nelkenrevolution" in Portugal und sah, wie anschließend auf der Iberischen Halbinsel die Demokratie zu keimen begann.

Kassebeer war neugierig, kundig und seinem Berichtsgebiet zugeneigt

1979 wechselte Kassebeer nach Rio de Janeiro, um den SZ-Leserinnen und -Lesern den Kontinent von Feuerland bis zur mexikanisch-texanischen Grenze näherzubringen. Er schrieb über den Besuch Papst Johannes Pauls II. in Brasilien, den 189. Staatsstreich binnen 150 Jahren in Bolivien, den Falkland-Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien, die Machtübernahme der Sandinisten in Nicaragua und die Kämpfe der peruanischen und brasilianischen Befreiungstheologen gegen Kardinal Joseph Ratzinger, den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation in Rom. Stets neugierig, kundig und mit Zuneigung zu seinem Berichtsgebiet war Kassebeer viel auf Reisen, um seinem Publikum zu beschreiben und zu erzählen, was die Leute sagten und wie es zuging in Peru, Kolumbien oder Brasilien. Er war eben ein unermüdlicher, furchtloser Reporter.

Nach mehr als einem Jahrzehnt in Lateinamerika zog Kassebeer 1990 in die Traumstadt vieler SZ-Redakteurinnen und -Reporter: Rom. Dort blieb er drei Jahre, bevor er wieder dahin zurückging, wo er als Auslandskorrespondent begonnen hatte: nach Madrid, seiner letzten Station als Korrespondent.

Als Rentner blieb Kassebeer Spanien treu. Er ließ sich in Moraira nieder, einem kleinen Fischerort an der Costa Blanca, - ohne das Schreiben aufzugeben. Für die Costa Blanca Nachrichten verfasste er Erinnerungen aus seinem Korrespondentenleben, zudem jeden Monat eine Sterne-Kolumne.

In seinem Haus am Meer ist Kassebeer vergangenen Samstag, im Alter von 92 Jahren, gestorben.

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