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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Krisen, Dramen und Triumphe - die Geschichte der EU

In der Krise - und doch ausgezeichnet: Die Europäische Union bekommt 55 Jahre nach ihrer Gründung den Friedensnobelpreis 2012. Von der Montanunion bis zur Einführung des Euros - ein Blick auf die Meilensteine.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Die Verträge von Rom

Die 1951 begonnene Vereinigung Europas steckt in der Krise. Deshalb beschließen die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg im Juni 1955 ein großes Projekt: ihre wirtschaftliche Integration. Knapp zwei Jahre später unterzeichnen sie (im Bild: der deutsche Kanzler Konrad Adenauer) feierlich am 25. März 1957 in Rom die Römischen Verträge. Damit schaffen sie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Dieser Tag gilt als die Geburtsstunde der EU.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Gemeinsame Agrarpolitik

In den fünfziger Jahren können die Gründerstaaten der EWG ihre Bevölkerung kaum mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen. Die Erinnerung an Hunger und Lebensmittelknappheit prägt das Denken der Politiker. 1962 wird deshalb die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) eingeführt. Sie soll die Produktion steigern, die Märkte stabilisieren und die Einkommen der Bauern sowie die Versorgung der Konsumenten sichern. Foto: AP

Geschichte der EU

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Europa gibt sich Institutionen

Das Jahr 1965 ist die Geburtsstunde des Europäischen Rates und der Kommission. Im April unterzeichnen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten den Vertrag zur Fusion der Exekutiven der drei Gemeinschaften (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Euratom und Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). Sie beschließen damit, in Zukunft einen gemeinsamen Rat und eine gemeinsame Kommission einzusetzen. Der Vertrag tritt am 1. Juli 1967 in Kraft. Doch nur wenige Monate nach der Vertragsunterzeichnung...

de Gaulle

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...gerät die Europäische Gemeinschaft in die Krise. Da Frankreich eine ganze Reihe von Vorschlägen ablehnt, die unter anderem die Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik betreffen, nimmt die französische Regierung von Juli 1965 an einfach nicht mehr an den Ratstagungen teil. Mit dieser Politik des leeren Stuhls, die auf Weisung des Staatspräsidenten Charles de Gaulle (hier bei einem Besuch in Lille 1966) zustande gekommen war, protestiert Frankreich auch gegen die geplante Einführung der qualifizierten Mehrheit als Abstimmungsprinzip im Rat. Beendet wurde die Blockadepolitik Frankreichs im Januar 1966 durch den...

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de gaulle

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...Luxemburger Kompromiss: Die französische Regierung nimmt wieder an den Tagungen des Rates teil. Der Kompromiss sieht vor, dass alle Entscheidungen, bei denen über "vitale Interessen" von Mitgliedstaaten verhandelt wird, so lange aufgeschoben werden können, bis Einstimmigkeit unter den Ländern erreicht ist - auch wenn der Rat die Entscheidung laut den Römischen Verträgen eigentlich mit qualifizierter Mehrheit treffen soll.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Ein Zolltarif für die Gemeinschaft

Am 1. Juli 1968 wird die Zollunion Wirklichkeit. Alle Zölle und Beschränkungen zwischen den sechs Gründerstaaten werden aufgehoben. Als Außenzolltarif für Waren aus Drittländern wird, 18 Monate früher als geplant, der Gemeinsame Zolltarif eingeführt. In der Praxis müssen Händler und Privatpersonen jedoch aufgrund der nationalen Verwaltungsvorschriften an den Grenzen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten nach wie vor zahlreiche Formulare ausfüllen.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Die erste Welle der Erweiterung

Die Europäische Gemeinschaft bekommt Zuwachs. In einer ersten Erweiterungsrunde treten 1973 Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich bei. Damit wächst die EWG von sechs auf neun Mitglieder. Eigentlich hatten die Briten schon viel früher beitreten wollen, doch der französische Staatspräsident Charles de Gaulle hatte jeweils 1963 und 1967 sein Veto eingelegt. Er wollte sicherstellen, dass eine künftige europäische Agrarpolitik ganz "à l'image de la France" gestaltet würde. "Erst wenn ich tot bin, kommen Sie in die EWG!" soll de Gaulle zum englischen Premier Edward Heath gesagt haben. Er sollte recht behalten: Erst als nach de Gaulles Tod Georges Pompidou (Foto: AP) französischer Präsident wird, glätten sich die Wogen.

Valéry Giscard d'Estaing (links) und der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Ein Jahr der großen Anläufe

1979 wird ein Schlüsseljahr für die Europäische Gemeinschaft. Am 13. März erblickt das Europäische Währungssystem (EWS) das Licht der Welt. Mit dem EWS öffnen seine beiden Väter, der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing (links) und der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt, Europa den Weg in die Währungsunion. Ein weiteres wichtiges Ereignis findet am 7. und 10. Juni statt: die erste Direktwahl des Europäischen Parlaments (EP). An diesen beiden Tagen wählen die Bürger der Mitgliedstaaten 410 Abgeordnete.

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Demo in Hamburg

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Zeit der Lähmung

Anfang der 80er Jahre befällt die EG eine schleichende Krankheit. Wettrüsten, Energieknappheit und Massenarbeitslosigkeit verunsichern die Menschen, treiben sie auf die Straße - wie hier bei einer Demo 1983 in Hamburg - und stürzen die Mitgliedstaaten in die Krise. Da denkt jeder zuerst an sich. Keiner ist mehr bereit, Kompetenzen an Brüssel abzugeben. Das europäische Projekt dämmert vor sich hin. Ein Name ist dafür schnell gefunden: Eurosklerose.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Milchsee und der Britenrabatt

Ein absurdes System der Hilfen für die Landwirtschaft stürzt die Europäische Gemeinschaft, die mit dem Beitritt Griechenlands 1981 mittlerweile auf zehn Mitglieder angewachsen ist, Mitte der achtziger Jahre in eine schwere Finanzkrise. Weil sie umso mehr Geld bekommen, je mehr sie produzieren, füllen die Bauern riesige Milchseen und häufen gigantische Butterberge auf. Sehr zum Ärger nicht nur der europäischen Steuerzahler, sondern auch der nicht-europäischen Anbieter. Als das Desaster unübersehbar wird und letztlich und in einer finanziellen Katastrophe zu enden droht, ändert die EG ihren Kurs. Statt Milchseen und Butterbergen gibt es nun eine "Milchquote". Die legt für jeden Bauernhof fest, wie viel Milch er pro Jahr bei seiner heimischen Molkerei abliefern darf. Die europäische Milchmengenregelung tritt am 2. April 1984 in Kraft und ist bis heute gültig.

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Thatcher, Reagan

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Besonders Großbritannien ist die landwirtschaftliche Subventionspolitik der EG ein Dorn im Auge. Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher (hier mit US-Präsident Ronald Reagan) setzt deshalb nach jahrelangem Streit zwischen London und Brüssel 1984 mit dem Schlachtruf "I want my money back!" den bis heute gültigen Britenrabatt durch.

Seit 1985 bekommen die Briten deshalb einen Abschlag auf ihren EU-Beitrag von durchschnittlich 4,6 Milliarden Euro im Jahr. Nach den lautstarken Verhandlungen mit der eisernen Lady gab der auch nicht gerade zimperliche deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl zu, Margaret Thatcher "wie der Teufel das Weihwasser" zu fürchten.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Zwei Beitritte und eine Akte

Am 1. Januar 1986 werden Spanien und Portugal aufgenommen - und die Flaggen der Länder in Brüssel feierlich gehisst. Die Angst einiger Politiker und Bürger vor einer Einwanderungswelle aus diesen Ländern erweist sich als unbegründet. Einen Monat später unterzeichnen die beiden Neulinge zusammen mit den anderen zehn EG-Staaten die Einheitliche Europäische Akte (EEA). Sie ist die erste große Reform der EG-Gründungsverträge und bildet die Grundlage für die Vollendung des europäischen Binnenmarktes.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Vertrag von Maastricht:

Im Februar 1992 unterzeichnen die Staats- und Regierungschefs der EG in Maastricht den Vertrag über die Europäische Union. Er stellt die bis dahin größe Änderung der Verträge seit der Gründung der EG dar. Durch ihn werden die zwölf Mitgliedsstaaten der EG zusätzlich zu Mitgliedern der EU. Die EG wird also nicht abgeschafft, sondern besteht zusammen mit EGKS und Euratom als eine der drei Säulen der Europäischen Union, die damit gewissermaßen als Dachorganisation fungiert, fort. Die anderen beiden Säulen sind die Gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik (GASP) sowie die Zusammenarbeit von Polizei und Justiz.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Der EU-Binnenmarkt wird verwirklicht

Am 1. Januar 1993 wird das Projekt eines einheitlichen Marktes im Innern der EU vollendet. Das sichtbarste Zeichen für den Start des Binnenmarktes ist der Wegfall der Warengrenzkontrollen. Aber auch für Kapital, Dienstleistungen und Personen gilt von nun an die Freizügigkeit. Mit mehr als 200 Millionen Verbrauchern ist der EU-Binnenmarkt schon damals einer der größten der Welt.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Offene Grenzen und drei Neue:

In einer vierten Erweiterungsrunde treten am 1. Januar 1995 Österreich, Schweden und Finnland der EU bei. Ein weiteres europäisches Großereignis ist am 26. März das Inkrafttreten von Schengen. Frankreich, Deutschland und die Benelux-Staaten beschließen 1985 im luxemburgischen Städtchen Schengen, einen Raum ohne Grenzen zu schaffen, den sogenannten Schengen-Raum. Er hebt die Kontrollen an den Binnengrenzen zwischen den Unterzeichnerstaaten auf und schafft eine einzige Außengrenze, an der kontrolliert wird. Außerdem erlassen die Schengen-Staaten gemeinsame Visa- und Asylvorschriften.

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kohl, waigel

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Stabilitäts- und Wachstumspakt

Im Maastricht-Vertrag haben sich die EU-Mitgliedstaaten bereits auf vier Konvergenzkriterien geeinigt, die alle Staaten erfüllen müssen, die den Euro einführen wollen. Doch einem genügt das nicht: Theo Waigel (hier neben Bundeskanzler Helmut Kohl). Aus Angst vor den weichen Währungen der südeuropäischen Länder entwickelt der damalige deutsche Finanzminister den Stabilitäts- und Wachstumspakt. Es gelingt ihm, den Pakt gegen den Willen einiger EU-Länder auf dem Gipfel 1996 in Dublin durchzusetzen.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Vertrag von Amsterdam

Am 2. Oktober 1997 unterzeichnen die EU-Staats- und Regierungschefs - hier nehmen sie Aufstellung zum so genannten Familienfoto - den Vertrag von Amsterdam. Er sollte ursprünglich dazu dienen, die EU auch nach der Osterweiterung handlungsfähig zu halten. Eine durchgreifende Reform der EU scheitert allerdings. Der Vertrag von Amsterdam verändert und ergänzt den Vertrag von Maastricht, löst diesen aber nicht ab. So werden beispielsweise die Rechte des Europäischen Parlaments in Amsterdam erheblich erweitert.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Geburt des Euro

1999 ist ein bedeutsames Jahr für die Europäische Union, mit einigen historischen Höhepunkten - und einem Skandal. Es beginnt am 1. Januar mit der Geburt des Euro, auch wenn ihn die EU-Bürger erst drei Jahre später in den Händen halten werden. Die Wirtschafts- und Währungsunion geht in die dritte Runde: In elf EU-Mitgliedstaaten wird der Euro als Buchgeld eingeführt. Im Juni schafft der Europäische Rat das neue Amt eines "Hohen Vertreters der Europäischen Union für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" (GASP). Im Herbst wird dem Spanier Javier Solana das Amt übertragen. Dann im Sommer...

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...der Kommissionsskandal: Zum ersten Mal tritt eine Europäische Kommission geschlossen zurück. Anlass sind unter anderem die Vorwürfe gegen die französische EU-Kommissarin für Wissenschaft und Forschung, Edith Cresson. Sie soll einem befreundeten Zahnarzt Geld für vereinbarte wissenschaftliche Leistung gezahlt haben, die dieser jedoch nie erbracht hat. Im Juli stellt sogar der Europäische Gerichtshof fest, dass Cresson als EU-Kommissarin pflichtwidrig gehandelt hat. Es ist das erste Verfahren gegen einen amtierenden EU-Kommissar. Da Cresson sich weigert zurückzutreten, dankt die ganze Kommission ab.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Türkei wird zum Beitrittskandidaten

Nach dem Sommerchaos nimmt im September eine neue EU-Kommission unter dem Vorsitz des Italieners Romano Prodi (im Bild) ihre Amtsgeschäfte auf. Ebenfalls im September trifft der Europäische Rat von Helsinki eine wichtige Entscheidung zur Erweiterung der Europäischen Union: Die Türkei wird zum Beitrittskandidaten ernannt. Das bleibt vorerst aber politische Symbolik, weil die Union die Türkei für Beitrittsgespräche noch nicht reif hält.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Strategie von Lissabon

Im März 2000 erhält die EU ein neues strategisches Ziel: Auf einer Sondertagung in Lissabon beschließen die EU-Staats- und Regierungschefs, die EU bis zum Jahr 2010 zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt" zu machen. Die Lissabon-Strategie versucht, die Produktivität und Innovationsgeschwindigkeit der EU durch verschiedene politische Maßnahmen zu erhöhen. Als Messlatte dienen die Konkurrenten Japan und besonders die USA.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Ringen in Nizza

Wer im europäischen Rat wie viele Stimmen hat, ist nicht der einzige Konflikt, an dem der Gipfel von Nizza (im Bild: Frankreichs Staatspräsident Chirac) zu Scheitern droht. Auch die Größe der EU-Kommission und die Einschränkung des Vetorechts lösen heftige Kontroversen aus. Erst im Morgengrauen des 11. Dezember 2000 einigen sich die Regierungen. Am 26. Februar 2001 unterzeichnen sie den Vertrag von Nizza. Der Vertrag soll die EU auf künftige Erweiterungen vorbereiten, geht jedoch lange nicht so weit, wie erhofft.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Der Euro kommt

Frankfurt wird er mit einer Lightshow am Gebäude der Bundesbank willkommen geheißen: Vor den Geldautomaten bilden sich am 1. Januar um Punkt null Uhr lange Schlangen. Jeder will das neue Geld, den Euro, bestaunen, der von nun an die Währung von zwölf Mitgliedsstaaten ist. Bereits Mitte Dezember 2001 konnten die Deutschen in Banken und Sparkassen die ersten Euromünzen, die sogenannten "Starterkits" erstehen. Doch die Begeisterung vieler EU-Bürger über das neue Geld schwindet schnell: Dem Euro hängt bald das Etikett "Teuro" an. Besonders ältere Menschen trauern der guten alten D-Mark nach.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Der Konvent tagt

Knapp zwei Monate nach Einführung des Euro nimmt die EU Anlauf zu einem anderen Großprojekt. Ende Februar tritt der Europäische Konvent zusammen, in dem Vertreter der Regierungen, der nationalen Parlamente und des Europaparlaments über die Modernisierung und Vereinheitlichung der europäischen Verträge beraten. Die EU soll auch nach einer großen Erweiterung handlungsfähig bleiben. Unter dem Vorsitz des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing wird über die gemeinsamen Werte, über Grundrechte, über die Abschaffung der Einstimmigkeit und über die Struktur der europäischen Institutionen geredet und verhandelt. Und zum ersten Mal berät die EU ihre Vertragsfragen in aller Öffentlichkeit.

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Nach Abschluss seiner Beratungen im Jahr 2003 legt der Konvent dem Europäischen Rat seine Vorschläge für einen Verfassungsvertrag vor. Dieser soll sowohl den EG- als auch den EU-Vertrag ablösen und der Union eine einheitliche Struktur und Rechtspersönlichkeit geben. Er stärkt die Handlungsfähigkeit der Union, indem er die Abstimmungsregeln im Rat verändert. Außerdem baut er die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik aus. Die Verfassung stärkt aber auch die Demokratie und den Grundrechtsschutz, Am 29. Oktober 2004 unterzeichnen die Staats- und Regierungschefs sowie die Außenminister der Mitgliedstaaten den Verfassungsvertrag.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Erweiterung

Am 1. Mai 2004 erlebt die EU die größte Erweiterungswelle ihrer Geschichte, den "Big Bang". Mit dem Beitritt von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und der Republik Zypern wächst die Bevölkerung der EU von etwa 370 Millionen auf 455 Millionen Menschen an. Der Union gehören jetzt 25 Länder an.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Europäische Verfassung

Nicht nur im Europäischen Parlament ("Not in my name") ist das Projekt umstritten: Der 29. Mai 2005 wird zu einem schwarzen Tag für die EU. Mit ihrem "Non" zum europäischen Verfassungsvertrag stürzen die Franzosen die Union in eine tiefe Krise. Mehr als 54 Prozent der Wähler votieren gegen das Vertragswerk, nur 45 Prozent dafür. Wenige Tage später setzen die Niederländer noch eins drauf und lehnen die Verfassung mit einer Mehrheit von 61,6 Prozent ebenfalls ab. Da fällt kaum ins Gewicht, dass die Spanier zuvor mit 77 Prozent für den Vertrag gestimmt haben, denn mit Frankreich und den Niederlanden lehnen zwei Gründerstaaten der EU die Verfassung ab. Weil das Projekt nur verwirklicht werden kann, wenn alle Mitgliedsländer zustimmen, verordnet sich der Europäische Rat erst einmal eine Nachdenkpause. Vor Frankreich hatten bereits neun Länder der Verfassung zugestimmt, darunter auch Deutschland und Österreich.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Verhandlungen mit der Türkei

Am 3. Oktober 2005 dieses Jahres treffen die Außenminister der EU eine historische Entscheidung: 42 Jahre nachdem der Türkei 1963 von der EWG eine "europäische Perspektive" eröffnet worden war, beginnen Beitrittsgespräche mit dem Land.

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Die Angst vor dem polnischen Klempner geht um. Im Mai 2006 einigen sich die EU-Staaten nach jahrelangem Ringen auf eine Dienstleistungsrichtlinie. Darin verzichtet die EU auf die ursprünglich geplante fast vollständige Öffnung des Dienstleistungsmarktes. Stattdessen schützt sie Arbeitnehmer in den alten EU-Staaten vor der gefürchteten Billigkonkurrenz aus Osteuropa: Der polnische Klempner darf nur nach deutschen Regeln in Deutschland arbeiten. Im Dezember verabschiedet auch das Parlament die Dienstleistungsrichtlinie.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Berlin am Steuer

Gleich zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar 2007 wird die EU noch etwas größer: Mit der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien wächst sie auf 27 Staaten an. Die Einwohnerzahl steigt von 461 Millionen auf etwa 490 Millionen. Viele Politiker hegen allerdings Bedenken gegen den "Beitritt auf Krücken" - vor allem wegen der organisierten Kriminalität in den beiden südosteuropäischen Staaten. In die Zeit des deutschen Vorsitzes fallen unter anderem die Einführung des Euro in Slowenien und das 50-jährige Bestehen der Römischen Verträge.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:"Vertrag von Lissabon"

Der "Vertrag von Lissabon", der am 13. Dezember 2007 in der portugiesischen Hauptstadt unterzeichnet wurde (groß im Bild: Bundeskanzlerin Angela Merkel, neben ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier), stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Europäischen Union dar. Er soll den Platz der geplanten EU-Verfassung einnehmen, die bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war.

Der Vertrag wird Europa demokratischer und effizienter machen. Unter anderem sieht er vor, dass die EU künftig einen Ratspräsidenten hat, dessen Amtszeit zweieinhalb Jahre beträgt. Auch einen "Hohen Repräsentanten der Union für Außen- und Sicherheitspolitik" wird es geben. Eine weitere Neuerung: Der Zwang zur Einstimmigkeit entfällt noch häufiger. Die qualifizierte Mehrheit reicht künftig auch in mehreren Dutzend weiteren Bereichen aus, insbesondere in Fragen der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit. Der Deutsche Bundestag...

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Merkel im Bundestag; dpa

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...votierte am 24. April 2008 mit einer überwältigenden Mehrheit von fast 90 Prozent der Stimmen für den "Vertrag von Lissabon". Von den fünf Fraktionen im Parlament stimmte nur die Linke gegen die Ratifizierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den Vertrag im Bundestag ein "großes Projekt". Sie hob in ihrer Rede die Stärkung der Mehrheitsentscheidungen hervor.

Blockaden und Stillstand könnten damit überwunden werden. Doch der Ratifizierungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen: Bundespräsident Horst Köhler hat das entsprechende Dokument noch nicht unterzeichnet, weil eine Klage beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist, das vermutlich im Juni 2009 darüber urteilen wird.

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EU-Gegner im Europaparlament, AFP

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Iren blockieren

Einen schweren Schlag erfährt der Verfassungsprozess am 12. Juni 2008: Die irische Bevölkerung stimmt in einem Referendum gegen den Vertrag von Lissabon. Während die Staats- und Regierungschefs geschockt sind, verleihen die Europaskeptiker im EU-Parlament ihrer Freude über das irische Nein auch optisch Ausdruck. Doch auch in anderen Ländern verläuft der Ratifizierungsprozess holprig,...

Mitglieder der Fraktion Unabhängigkeit/Demokratie im Europaparlament sechs Tage nach dem irischen Referendum.

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...etwa in Tschechien. Zwar haben die beiden Parlamentskammern für den Vertrag von Lissabon gestimmt, Präsident Vaclav Klaus (links) ist jedoch ein entschiedener Europagegner und will den Vertrag allenfalls dann unterschreiben, wenn die Iren in einem zweiten Referendum für den Vertrag stimmen.

Die Iren haben inzwischen zugestimmt, der Refomvertrag ist unterzeichnet. Doch Klaus will noch immer nicht unterschreiben. Jetzt muss das tschechische Verfassungsgericht über eine Klage von EU-kritischen Senatoren gegen den Lissabon-Vertrag entscheiden.

Der tschechische Präsident Vaclav Klaus mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso beim EU-Japan-Gipfel am 4. Mai 2009 in Prag.

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Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union:Europa in der Krise

Der Beginn der Eurokrise 2009 stellt die die EU vor eine Zerreißprobe: Nachdem auch europäische Staaten in Folge der weltweiten Finanzkrise angeschlagene Banken vor dem Kollaps retten mussten, geraten die Staatshaushalte in Schieflage. Griechenland, Portugal, Irland, Zypern - eine ganze Reihe von Mitgliedsstaaten muss von den Partnern mit immer neuen Hilfspaketen unterstützt werden.

Während die Geberstaaten den gefährdeten Ländern vorwerfen, nicht genug zu sparen, fühlen sich die südlichen Euroländer von den Sparauflagen gegängelt. Dort schrumpft die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit wächst. In Spanien ist bald die Hälfte der Jugendlichen ohne Job.

© Süddeutsche.de/anri

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