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Friedensnobelpreis:Menschenrechtler in Peking verschleppt

Kurz vor der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo ist ein enger Mitstreiter des chinesischen Menschenrechtlers verschwunden. Er soll auf offener Straße verschleppt worden sein.

Vor der Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo ist einer seiner engen Freunde in Peking verhaftet worden. Zhang Zuhua, Mitverfasser der Charta 08 für Demokratie und Menschenrechte in China, sei auf offener Straße von Angehörigen der Staatssicherheit in einen Kleinbus gezerrt und verschleppt worden, berichtete die Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD).

Neben Zhang seien noch weitere Aktivisten aufgegriffen worden und verschwunden, unter anderem der Akademiker Cui Weiping und der Journalist Gao Yu in Peking sowie der Aktivist Yang Hai und der Menschenrechtsanwalt Zhang Jiankang in Xi'an. Zuvor waren bereits Dutzende Regimekritiker festgenommen, unter Hausarrest gestellt, an andere Orte gebracht oder mit Drohungen eingeschüchtert worden.

Auch der Bürgerrechtler Zhang Zuhua, der maßgeblich an der Veröffentlichung der Charta 08 mitgewirkt hatte, war aufgefordert worden, die Hauptstadt zusammen mit Agenten der Staatssicherheit für ein paar Tage zu verlassen, hatte sich aber geweigert. Er steht seit langem unter strenger Beobachtung und war nach der Bekanntwerden der Charta 08 vor zwei Jahren mehrfach verhört worden. Neben persönlichen Dingen seien damals auch die Ersparnisse seiner Eltern beschlagnahmt worden, berichtete CHRD.

Außerdem ließ die Regierung in Peking vor der Verleihung ausländische Fernsehsender blockieren. Sowohl der US-Nachrichtensender CNN als auch die britische BBC wurden am Freitagvormittag mit Unterbrechungen abgeschaltet, der Zugang zu den Internetseiten beider Sender sowie zum norwegischen Sender NRK war bereits am Donnerstag blockiert. In China nutzen mehr als 420 Millionen Menschen das Internet, das allerdings einer strengen Zensur unterliegt.

In Oslo organisieren chinesische Diplomaten nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Proteste gegen die Verleihung des Nobelpreises an Liu Xiabo. In Norwegen lebende Chinesen seien "systematisch unter Druck gesetzt worden", sich an Demonstrationen zu beteiligen. Es habe in den vergangenen zwei Monaten wiederholt Besuche und Aufrufe zu Treffen gegeben. Den Betroffenen seien "ernste Konsequenzen" angedroht worden, falls sie nicht zu den Demonstrationen erscheinen sollten, schrieb Amnesty. "Wir sind geschockt, dass chinesische Behörden diese repressive Atmosphäre von Peking nach Oslo bringen", sagte John Peter Egnaes, der norwegische Amnesty-Direktor.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/leja/jobr
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