Friedensnobelpreis:Detektivin für die Unterdrückten

Maria Ressa

Die philippinische Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa ist mit ihrer investigativen Plattform "Rappler" den Mächtigen ein Dorn im Auge.

(Foto: Aaron Favila/AP)

Furchtlos prangert die Journalistin Maria Ressa seit Jahren die brutalen Methoden des philippinischen Machthabers Duterte an. Über ihren Friedensnobelpreis "wird die Regierung nicht glücklich sein", sagt sie.

Von Arne Perras

"Ich bin unter Schock", waren ihre ersten Worte, als sie erfuhr, dass sie in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält. Aber dann hatte sich Maria Ressa auch schnell wieder gefasst und sagte: "Wir werden weiter tun, was wir tun." Mit ihrer investigativen Plattform "Rappler" deckt sie seit Jahren auf, wie der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte seine Macht missbraucht und dafür auch geschickt die Möglichkeiten der sozialen Medien kapert.

Ressa ist eine Frau, die das Kunststück vollbringt, unter gewaltigem Druck und Stress immer noch große Zuversicht zu versprühen. Seit Jahren kämpft sie als investigative Journalistin gegen staatlich sanktioniertes Unrecht in ihrer Heimat. Sie stemmt sich gegen die Versuche der Mächtigen, das Internet und die sozialen Medien zu manipulieren und die freie Presse zu gängeln. Sie prangert an, dass Diktatoren vielerorts auf der Welt ganze Troll-Armeen in Stellung bringen, um ihre Gegner zu erdrücken.

Die 58-Jährige ist auch immer eine tapfere Gegnerin des blutigen Anti-Drogen-Krieges gewesen, den Staatschef Duterte in seinem Land nach seinem Wahlsieg angestoßen hat. Sein brutaler Feldzug hat Schätzungen zufolge Zehntausende Tote gefordert.

"Der Regierung wird nicht glücklich sein", sagt sie nach der Preisverkündung. Ihre Gegner in den Philippinen haben in den vergangenen Jahren viele Hebel in Bewegung gesetzt, um Ressa und ihre Mitstreiter auszubremsen und einzuschüchtern. Zum Schweigen gebracht haben sie die Journalistin damit nicht. Sie wurde zeitweilig verhaftet und mit Strafverfahren wegen angeblicher Verleumdung überzogen; man hat sie mit anonymen Morddrohungen über das Internet überschwemmt; manche kündigten an, sie zu vergewaltigen und zu foltern; andere beschimpften sie als Hure und Hündin. All diesen Schmutz hat sie ertragen - und weitergemacht. Das verschafft ihr nicht nur in ihrem eigenen Land, sondern weltweit Respekt.

Ihre Karriere startete sie bei CNN

Ihre Furchtlosigkeit, gekoppelt mit einem detektivischen Instinkt, erlaubt ihr nicht locker zu lassen, wenn sie auf brisante Spuren stößt. Und die gibt es quasi überall in den Philippinen, wo Menschen von Todesschwadronen gejagt werden oder bei offiziellen Polizeirazzien unter äußerst dubiosen Umständen sterben, wo Sicherheitskräfte vertuschen anstatt aufzuklären, wo sich Journalisten täglich in Lebensgefahr begeben, wenn sie versuchen, Korruption und Missbrauch aufdecken.

Maria Ressa lebte nicht immer in den Philippinen. Ihre Eltern verließen die Heimat in der Zeit der Marcos-Diktatur und zogen in die USA, damals war sie noch ein junges Mädchen. Später studierte sie in Princeton Molekularbiologie und Theater. Nach Manila kehrte sie zurück, als das Volk gegen den Diktator aufbegehrte, das Erlebnis der "People Power" hat sie geprägt.

Nach ersten Erfahrungen als Reporterin kam Ressa zum Sender CNN, wo sie viele Jahre lang Karriere machte. Sie arbeitete als Bürochefin in Manila und Jakarta und recherchierte zeitweise viel zu Terrornetzwerken von al-Qaida. Später, als Duterte seinen Siegeszug antrat, gründete sie ihre Plattform "Rappler" und konzentrierte sich darauf, Manipulationen und Machenschaften im Umkreis Dutertes aufzudecken.

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