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Friedensnobelpreis:Gute Wahl

Das Osloer Komittee lenkt mit der Auszeichnung von Denis Murad und Denis Mukwege den Blick auf die Opfer sexueller Gewalt.

Manche Friedensnobelpreisträger muss man erst umständlich erklären. Liberias Präsidentin im Jahr 2011 zählte dazu, das tunesische Dialog-Quartett 2015 - und ja, auch die Europäische Union war eine sperrige Preisträgerin. Und dann gibt es solche, die keine Begründung brauchen. Dem Nobelpreiskomitee ist es in diesem Jahr gelungen, zwei solche Menschen auszuwählen. Die jesidische Aktivistin Nadia Murad und der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege kämpfen auf sehr unterschiedliche Weise für den Frieden, ihr Fokus ist aber derselbe: Menschen, die sexuelle Gewalt im Krieg erleiden. Die Opfer sind stille Opfer - fast immer Frauen oder Kinder, fast immer völlig unbeteiligt an der Gewalt, die ihren Alltag ergriffen hat. Sie gehören zu den Gruppen, die Frieden am dringendsten nötig haben.

Dass Mukwege und Murad den Preis zusammen erhalten, legt nahe, dass man in Oslo das Thema grundsätzlich verstanden wissen will - nicht regional, als vermeintliches Problem entgrenzter afrikanischer Bürgerkriege. Sexualisierte Gewalt ist ein grausames Kriegsinstrument, das auf die Auslöschung der Opfer zielt und weltweit Konjunktur hat. Der Kampf der beiden Preisträger braucht und verdient diese Aufmerksamkeit.

Der Arzt und die Aktivistin gehen mit ihrer Arbeit hohe persönliche Risiken ein. Denis Mukwege erhält Morddrohungen, Nadia Murat muss ihren Wohnort geheim halten. Der Nobelpreis ist für sie auch Schutz. Nicht zuletzt deshalb ist die Entscheidung des Osloer Komitees in diesem Jahr ein Volltreffer.

© SZ vom 06.10.2018
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