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Friedensnobelpreis:Ein Preis als Pranger

Die Atomwaffen werden nicht damit verschwinden, aber...

Als das Norwegische Nobelkomitee vor zwei Monaten bekannt gab, dass die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" (Ican) 2017 für ihre Verdienste ausgezeichnet wird, kam die Kritik prompt: Eine gefährliche Idee werde da honoriert, monierten die Realisten, die den weltpolitischen Diskurs bestimmen: Es sei töricht anzunehmen, dass die Kim Jong-uns und Donald Trumps dieser Welt sich von einem Verbot beeindrucken ließen.

Am Sonntag nun hat die Ican-Vorsitzende den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Ihre Organisation ist die beste Wahl, die das Komitee seit Langem getroffen hat. Anders als etwa die EU, die vor fünf Jahren die Auszeichnung erhielt, und keinen Weg findet, den Fliehkräften, die den Kontinent bedrohen, zu begegnen. Anders als Barack Obama, der mit den Vorschusslorbeeren, die er in Oslo erhalten hat, nichts anzufangen wusste.

Atomwaffen werden nicht durch die Vergabe eines Friedensnobelpreises verschwinden. Aber so geraten die Mächte an den Pranger, die keinerlei Anstalten machen, die Eindämmung ihrer Arsenale so voranzutreiben, wie es vertraglich eigentlich vorgesehen ist. Ican steht mit dem Ziel einer nuklearwaffenfreien Welt nicht alleine da - mehr als 120 Staaten haben sich dem Verbot bereits verschrieben. Das ist die deutliche Mehrheit der Staatengemeinschaft. Sie verdient es, ernst genommen zu werden.

© SZ vom 11.12.2017
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