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Kampf gegen Hunger:Friedensnobelpreis geht an Welternährungsprogramm der UN

Der Friedensnobelpreis 2020 geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

(Foto: AFP)

Die Organisation wird für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger und zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ist mit dem Friedensnobelpreis 2020 ausgezeichnet worden. Das teilte das norwegische Nobelpreiskomitee in Oslo mit. Die UN-Organisation werde damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Preisbekanntgabe.

2019 hätten 135 Millionen Menschen an akutem Hunger gelitten. Das sei die höchste Zahl seit vielen Jahren. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation verschlechtert. Der größte Teil der Zuwächse sei durch Kriege und bewaffnete Konflikte verursacht worden. Man werde niemals das Ziel erreichen, dass es keinen Hunger mehr gebe, wenn es nicht auch ein Ende von Krieg und bewaffneten Konflikten gebe.

Reiss-Andersen hob insbesondere die Bedeutung in der Corona-Pandemie hervor, die die Situation für Millionen Menschen gerade in Konfliktgebieten zusätzlich verschlimmert habe. Derzeit gebe es noch keinen Impfstoff gegen Covid-19. "Ernährung ist die beste Impfung gegen Chaos", so das Preiskomitee. "Dies ist ein stolzer Moment", sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramms in Genf. Auf Twitter schrieb die Organisation: "Wir sind sprachlos."

"Die Welt ist in Gefahr, eine Hungerkrise von unfassbarem Ausmaß zu erleben", wenn das Welternährungsprogramm nicht die geforderte finanzielle Unterstützung erhalte, sagte Reiss-Andersen.

Die Nobelpreise sind diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950 000 Euro) pro Kategorie dotiert, also mit einer Million Kronen mehr als im Vorjahr. Damals war Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Das Kandidatenfeld für den renommiertesten politischen Preis der Erde war in diesem Jahr groß gewesen - vorab kristallisierte sich kein klarer Favorit heraus. In den Wettbüros wurden die Weltgesundheitsorganisation WHO und Klimaaktivistin Greta Thunberg als Topfavoriten gehandelt.

Experten hatten gemutmaßt, dass der Preis an eine Journalistenorganisation oder junge Aktivisten etwa aus dem Sudan oder aus Somalia gehen könnte. Die Nobel-Institutionen selbst halten die Namen der Kandidaten - in diesem Jahr waren es 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen - 50 Jahre lang geheim.

Das sind die Friedensnobelpreisträger der vergangenen Jahre:

2019: Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed für seine Bemühungen für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea.

2018: Denis Mukwege (Kongo) und Nadia Murad (Irak) für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten.

2017: Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) für ihre Bemühungen, die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Folgen des Gebrauchs von Atomwaffen zu richten, sowie ihren bahnbrechenden Einsatz für einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen.

2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos für seine entschlossenen Bemühungen, den mehr als 50 Jahre währenden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden.

2015: Das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien nach der sogenannten Jasmin-Revolution 2011.

2014: Malala Yousafzai (Pakistan) und Kailash Satyarthi (Indien) für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Leuten sowie für das Recht aller Kinder auf Bildung.

2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) für ihren Einsatz gegen die weltweit geächteten Massenvernichtungswaffen.

2012: Die Europäische Union für ihren mehr als sechs Jahrzehnte währenden Beitrag für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa.

2011: Ellen Johnson Sirleaf und Leymah Gbowee (beide Liberia) sowie Tawakkol Karman (Jemen) für den gewaltfreien Kampf zur Stärkung der Rechte von Frauen.

2010: Liu Xiaobo (China) wegen seines langen und gewaltfreien Einsatzes für die Menschenrechte in seiner Heimat.

© SZ/dpa/saul
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