Freude der Kanzlerin über Bin-Laden-Tod:CSU-Veteran Glück: Merkels Verhalten "sehr irritierend"

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Vertreter der Kirchen, der Muslime und der FDP kritisieren Angela Merkels zur Schau gestellte Freude über die Tötung Osama bin Ladens. Schützenhilfe bekommt die CDU-Chefin von einem alten Parteifreund: Heiner Geißler.

Der Unmut über die von der Kanzlerin geäußerte "Freude" über den Tod Osama bin Ladens will sich nicht legen. Vor allem von religiöser Seite mehren sich die kritischen Stimmen. Der CSU-Politiker und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bezeichnete in der Passauer Neuen Presse die Äußerungen der CDU-Chefin als "missverständlich und sehr irritierend".

Angela Merkel

Kanzlerin Merkel drückte ihre Freude über den Tod des Topterroristen Osama bin Laden aus. In ihrer Partei und bei Kirchenvertretern stößt ihre Reaktion auf immer mehr Unverständnis.

(Foto: dpa)

Der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sagte der Stuttgarter Zeitung, die Kanzlerin habe eine "falsche und unhaltbare Ausdrucksweise benutzt". "Der gewaltsame Tod eines Menschen darf niemals Ursache der Freude sein", so Schockenhoff, der auch dem Deutschen Ethikrat angehört.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, äußerte ebenso seinen Missmut über Merkel: "Als Bundeskanzlerin mit Vorbildcharakter für Deutschland und als Vorsitzende einer christlichen Partei ist dieser Satz in Hinblick einer angemessenen Pietät suboptimal", sagte Mazyek der Rheinischen Post.

Mazyek warnte auch davor, dem Terror mit Selbstjustiz zu antworten: "Der Terror in der Welt hat viel Perversion in die Weltgemeinschaft hineingetragen. Es liegt nun an uns, sich davon nicht anstecken zu lassen und jener Logik des Todes mit Würde und Entschlossenheit zu begegnen und nicht mit gleicher Münze zurückzuschlagen. Das macht uns dann wahrhaft größer."

"Ich bin auch erleichtert, dass dieser Verbrecher sein Unwesen nicht mehr treibt", sagte der Grünen-Obmann im Verteidigungsausschuss Omid Nouripour dem ZDF- Morgenmagazin. "Aber Freude ist tatsächlich ein bisschen merkwürdig beim Tod eines Menschen." Egal ob sich dabei um einen Verbrecher handle oder nicht, ergänzte Nouripour.

Selbst der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, äußerte indirekt Kritik an der Kanzlerin. Der FDP-Politiker sagte der Frankfurter Rundschau: "Freude ist hier die falsche Kategorie." Er sei erleichtert, "dass jemandem das Handwerk gelegt worden ist, der unendliche Schuld auf sich geladen hat", sagte er. "Aber wenn es um die Frage der Schuld geht, dann denke ich in erster Linie an Festnahme und Gerichtsverfahren."

Ähnlich formulierte es der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning. "Auch wenn ich mich über den Tod eines Menschen nicht freuen kann, bin ich erleichtert, da wir jetzt mit weniger Angst leben können", sagte der FDP-Politiker zu Handelsblatt Online. Viele hätten sich durch Bin Laden und seinen blutigen Terror bedroht gefühlt.

Erklärungsversuche kommen von wissenschaftlicher Seite. Der Bonner Politikwissenschaftler und Merkel-Biograph Gerd Langguth geht davon aus, dass Merkel diesen Satz nicht unbedacht gesprochen hat. "Ich denke schon, dass sie genau wusste, was sie sagt. Sie wollte hier auch - ohne dass es finanziell etwas kostet - mit den Amerikanern einen Schulterschluss", sagte er der Pforzheimer Zeitung. Zudem habe Merkel ein sicheres Gespür dafür, was die normalen Menschen denken. "Und ich denke, dass die meisten mit der Erschießung von Osama bin Laden einverstanden sind."

Der Völkerstrafrechtler Kai Ambos bewertete die gezielte Tötung Bin Ladens als rechtswidrig und äußerte Kritik: "Die fundamentalen Menschenrechte gelten auch im Ausnahmezustand. Das Recht auf Leben wird in Friedenszeiten nur ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, insbesondere in Fällen der Notwehr." Wenn es stimme, dass Bin Laden unbewaffnet war und gezielt getötet wurde, könne Notwehr ausgeschlossen werden. Die Tötung diene damit - "anders, als der amerikanische Präsident meint - nicht der Gerechtigkeit, sondern erweist ihr einen Bärendienst", schreibt Ambos in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Ein Rechtsstaat behandele auch seine Feinde mit Menschlichkeit. Er verhafte Terroristen und bringe sie vor Gericht. Eine Tötung ohne Gerichtsverfahren sei eine extralegale Hinrichtung, für die Unrechtsstaaten vor Menschenrechtsgremien angeklagt werden.

In Schutz wurde die Kanzlerin von CDU-Veteran Heiner Geißler genommen. "Freude, dass dieser wichtige Schlag gegen den Terrorismus geglückt ist, das ist okay. Die zivilisierte Menschheit kann sich glücklich schätzen, dass Bin Laden weg ist", sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär dem Berliner Kurier.

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