Freilassung von Ägyptens Ex-Machthaber Mubarak Für jeden ein anderes Signal

Die Entscheidung, Mubarak vorläufig freizulassen, bedeutet noch keinen Freispruch. Trotzdem stellt sich die Frage nach dem politischen Signal. Für die Muslimbrüder ist die Freilassung ein Beweis für die Rückkehr zu alten Zeiten. Entscheidend ist nun, ob die Jugendrevolutionäre die Freilassung des Mannes hinnehmen, den sie 2011 gestürzt haben.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius, Kairo

Freiheit für Hosni Mubarak also. Juristisch scheinen keine Zweifel zu bestehen, wie der 2011 von seinem Volk gestürzte Autokrat Anspruch auf Haftverschonung geltend machen konnte: Die Untersuchungshaft war ausgeschöpft, Mubarak kränkelt, Fluchtgefahr besteht keine. Wenn die Staatsanwälte keinen Einspruch erheben, kann der Ex-Präsident nach Hause gehen. Juristisch ist er indes nur vorläufig frei: Ein Verfahren wegen des Todes von rund 800 Demonstranten beim Aufstand 2011 läuft, das Urteil bleibt abzuwarten.

Anders stellt sich die Frage nach dem politischen Signal. Nach Auffassung der meisten Ägypter hat die Armee Hand in Hand mit dem Volk den Muslimbrüder-Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt. Nun bekämpft die Polizei die Islamisten-Organisation als "Terroristen", das Ganze sei die "Zweite Revolution". Die Mursi-Anhänger sehen den Sturz ihres Staatschefs anders: Als Gegenrevolution des alten Mubarak-Regimes. Sie werden die Freilassung des früheren Machthabers als Beweis dafür anführen.

Entscheidend ist, ob die Jugendrevolutionäre die Freilassung des Mannes hinnehmen, den sie 2011 gestürzt haben. Auch dafür spricht einiges: Weite Teile der Tahrir-Jugend haben sich hinter die Armee und die Zweite Revolution gestellt, sehen das Land im "Krieg gegen den Terror". Mit welcher Begründung wollen sie gegen ihren Staat protestieren?