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Frauentag: Katja Kipping:"Wir brauchen Frauennetzwerke"

Drei Generationen, drei Meinungen: Hildegard Hamm-Brücher, Claudia Roth und Katja Kipping erzählen von ihren Erfahrungen als Frauen in der Politik.

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Zu diesem Datum hat sueddeutsche.de drei Politikerinnen aus drei Generationen gefragt, welche Rolle ihr Geschlecht in der Politik spielt.

Katja Kipping

(Foto: Foto: dpa)

Katja Kipping, Jahrgang 1978, ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Linkspartei und Bundestagsabgeordnete. Ihre politische Karriere begann sie 1999 als Stadträtin in Dresden.

"Das Frauenwahlrecht ist in meinem Leben ein selbstverständlicher Bestandteil. Ich war 12 Jahre alt, als die Mauer fiel. In der Zeit kannte ich nur Gruppen- und Schülerratswahlen aus der Schule. Da wurden die gewählt, die den Mund aufgemacht haben. Da war in beiden Fällen ich.

In meiner frühen Jugend oblag ich dem Irrtum, dass Feminismus kein besonders wichtiges Thema war. Das hat sich erst geändert, als ich angefangen habe Politik zu machen. Ich bin mit 21 in den sächsischen Landtag gekommen und habe mich für die Verkehrspolitik entschieden - was ein richtige Männerdomäne war. Wenn ich Zahlen oder Fakten genannt habe, die den Zahlen und Fakten der Männer widersprachen, kam immer sofort die Kompetenzfrage auf.

Von einer wirklichen Gleichberechtigung sind wir wohl noch weit entfernt. Wenn es keine Quote gibt in Parteien, sind Frauen immer noch unterdurchschnittlich vertreten im Parlament. Immer noch sind Männernetzwerke sehr wirksam und sei es durch informelle Zusammenhänge.

Das Patriarchat hatte viele Jahrhunderte Zeit, sich in unser kollektives Gedächtnis einzubrennen. Das muss man verändern. Da spielen die Frauen eine wichtige Rolle. Sie sollen aufhören zu glauben, wenn sie brav sind und besonders fleißig kommen sie in die erste Reihe. Wir brauchen Frauennetzwerke um den Männernetzwerken etwas entgegenzusetzen."

© sueddeutsche.de/kler/bavo
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