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Frauenquote:Das Mindeste

Merkel will dieses Projekt verhindern. Ausgerechnet sie.

Angela Merkel ist keine Feministin im herkömmlichen Sinne. Sie gehört auch nicht zur eingeschworenen Gemeinschaft westdeutscher Frauenrechtlerinnen, die seit Jahrzehnten gegen altbackene Familienbilder und Benachteiligung von Frauen kämpfen. Merkel macht das anders, sie regiert und lässt abperlen. Seit einer Weile gibt sie auch zu verstehen, dass Gleichberechtigung ihr nicht egal ist. Beim G-7-Gipfel setzte sie das Thema auf die Agenda und boxte die Frauenquote durch, gegen alles Geheul der Unionsmänner.

Zu Merkels Schwestern im Geiste könnte also die frühere EU-Kommissarin Viviane Reding gehören. Über Jahren setzte sie sich für eine europäische Frauenquote ein. Nun soll der Europäische Rat darüber abstimmen - aber ausgerechnet Merkels Deutschland will nichts von der Initiative wissen und den Entwurf kippen.

Kommt es so, ist das mehr als ärgerlich. Der Kanzlerin mag es opportun erscheinen, die Bedenkenträger in Union und Wirtschaft zu besänftigen. In der Sache aber gibt es keinen Grund, sich vor der EU-Frauenquote zu fürchten. Sie ist harmloser als die deutsche, weil sie bei Nicht-Beachtung keine Strafen vorschreibt. Und sie ist das Mindeste, was her muss, wenn in Europa endlich selbstverständlich werden soll, was für Angela Merkel längst selbstverständlich ist: dass Frauen an der Spitze mitreden. Die Kanzlerin ist da Vorreiterin. Jetzt muss sie durchhalten.

© SZ vom 24.11.2015

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