Französischer Verteidigungsminister "Europäisches Drohnenprojekt ist überfällig"

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihr französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian. Deutschland plant eine Drohne mit Frankreich und Italien.

(Foto: AFP)

"Damit erhöhen wir die Unabhängigkeit von den USA": Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian befürwortet das geplante deutsch-französische Drohnenprojekt. Außerdem kritisiert er den Umgang der EU mit akuten Krisen.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hält das geplante deutsch-französische Drohnenprojekt für einen wichtigen Schritt zu mehr Unabhängigkeit in der Sicherheitspolitik. Le Drian sagte der Süddeutschen Zeitung (Mittwochausgabe): "Wir Europäer können das, wir Europäer sollten das längst tun. Und wenn wir es endlich machen, dann erhöhen wir auch die Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten auf diesem Feld, technisch und militärisch."

Jean-Yves Le Drian im Wortlaut

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Der enge Vertraute von Staatspräsident François Hollande betonte, dass Europa endlich auf die neuen Bedrohungen im Osten und im Süden reagieren müsse. Der Kontinent müsse sich mit den notwendigen Waffen ausstatten, um sich angemessen schützen zu können. "Europa kann sich nicht erlauben, die akuten Gefahren für seine Sicherheit kleinzureden.''

Eingreiftruppe noch nie zum Einsatz gekommen

Le Drian äußerte in diesem Zusammenhang Kritik am bisherigen Umgang mit den EU-Battlegroups, die als Eingreiftruppe in akuten Krisen gedacht seien. "Wie viel haben wir darüber schon geredet'', warnte der französische Minister. "Fakt ist, dass sie, obwohl es durchaus Anlässe dafür gegeben hätte, noch nie zum Einsatz kamen. Das muss sich ändern.''

In diesem Zusammenhang verwies Le Drian vor allem auf die Krisenherde insbesondere in Nordafrika. Hier sei vor allem die Kooperation zwischen Terroristen und Drogenkartellen ein immer größeres Problem. "Es gibt immer mehr Drogenkartelle, die offen mit den Terroristen flirten und zu ihrer Finanzierung beitragen'', klagte Le Drian. Das stärke den Terrorismus, der die eigentliche Bedrohung für Europa darstelle. Mit Blick auf Libyen räumte er ein, dass man nach dem Sturz die Probleme bei der Aussöhnung des Landes unterschätzt habe.