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Plagiatsverdacht:Ein Klaps auf die Finger für Dr. Giffey

Government Presents New Measures To Fight Right-Wing Extremism

Monatelang hat die Freie Universität Berlin die Doktorarbeit von Familienministerin Giffey geprüft. Nun ist klar: Sie kann ihren akademischen Grad behalten.

(Foto: Getty Images)
  • Die Freie Universität Berlin (FU) hat entschieden, dass Familienministerin Giffey für ihre Doktorarbeit gerügt wird, ihren Doktorgrad aber behalten darf.
  • Das FU-Präsidium folgte damit der Empfehlung der Prüfer, die sich seit Februar über Giffeys Arbeit "Europas Weg zum Bürger" gebeugt hatten.
  • Für eines aber kam der weiße Rauch aus dem Universitätspräsidium zu spät: für Giffeys Kandidatur um den SPD-Vorsitz.

Vor gut einem Jahr lief Franziska Giffey durch die Commerzbank-Arena und besichtigte ein Jugendprojekt von Eintracht Frankfurt. Übergestreift hatte sie ein Fußballtrikot, über das die Vereinsvertreter sagten, so viele Buchstaben hätten sie noch nie auf ein Trikot flocken lassen: Bundesfamilienministerin Dr. Giffey. Ein paar Monate später standen zwei dieser Buchstaben plötzlich zur Disposition - und die SPD-Politikerin vor dem möglichen Ende ihrer Blitzkarriere. Eine Internetplattform hatte Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit erhoben, worauf die Freie Universität Berlin mit einer monatelangen Prüfung begann.

Bis zum Mittwochabend. "Die Freie Universität Berlin hat heute das Verfahren zur Überprüfung meiner Doktorarbeit abgeschlossen", teilte Giffey mit. "Im Ergebnis wurde bestätigt, dass ich den Doktortitel zu Recht führe." Von der Universität selbst hieß es, das Präsidium habe "nach eingehender Prüfung und einer mehrstündigen Sitzung" beschlossen, Giffey für ihre Dissertation "eine Rüge" zu erteilen, ihr den 2010 verliehenen Titel "Doktorin der Politikwissenschaft" aber nicht zu entziehen. Das Präsidium folgte damit der Empfehlung der Prüfer, die sich seit Februar über Giffeys Arbeit "Europas Weg zum Bürger" gebeugt hatte. Weil der empirische Charakter im Vordergrund gestanden habe, so die Universität, handle es sich trotz der Mängel um eine "eigenständige wissenschaftliche Leistung".

Es dürfte eine Gerölllawine gewesen sein, die Giffey vom Herzen fiel. "Die Leute wollen keine Miesepeter", hatte sie der SZ im Sommer zwar noch gesagt. Belastet aber hat sie das alles durchaus. Für eines aber kam der weiße Rauch aus dem Universitätspräsidium zu spät: für Giffeys Kandidatur um den SPD-Vorsitz, die sie lange nicht ausgeschlossen hatte. Als die Bewerbungsfrist aber immer näher rückte, ohne dass die Universität eine Entscheidung traf, zog die Ministerin Mitte August die Notbremse: Der Streit solle "die personelle Neuaufstellung der SPD nicht überschatten oder gar belasten". Sie werde nicht antreten - und als Ministerin abtreten, sollte ihr der Titel entzogen werden.

Am Mittwoch nun dankte sie zunächst den Prüfern, um dann mitzuteilen, sie werde ihre Arbeit als Bundesfamilienministerin "weiter mit großem Engagement und viel Freude" fortsetzen. Falls sie damit deutlich machen wollte, dass der Ministerinnensessel nun ihr Platz sei, und zwar nur der, wurde dieser Subtext von den ersten sofort geflissentlich überhört. Viele in der SPD sind nach wie vor enttäuscht, dass es nichts wurde mit einer Parteivorsitzenden Giffey, mit ihrem Händchen für Ortstermine, ihrer chronisch guten Laute und Bürgernähe.

Trotz der anstehenden Stichwahl zwischen den Bewerberduos Klara Geywitz/Olaf Scholz und Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans könnte es in der SPD nun eine Debatte geben, ob nicht doch noch Giffey Parteivorsitzende werden kann. Der Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer sagte der SZ, dass Klara Geywitz zugunsten Giffeys verzichten und die Familienministerin mit Scholz kandidieren könne. "Diese Duo wäre nach innen wie nach außen das heute überzeugendste Team."

Politik SPD "Guten Tag, soll ich was mitnehmen an den Kabinettstisch?"

Franziska Giffey

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Für die SPD war es ein Schlag, dass Familienministerin Giffey nicht für den Vorsitz kandidiert. Sie kommt aus dem Osten und tauscht sich gern mit den Menschen aus. Unterwegs mit der Königin des Ortstermins.   Von Henrike Roßbach