Frankreich Unterstützung von Nicolas Sarkozy

Frankreich ist schockiert, Jean-Marie Le Pen triumphiert: Der FN-Vorsitzende zwei Tage vor der Stichwahl ums Präsidentenamt.

(Foto: REUTERS)

Größter Triumph - und Abstieg (2000-2009)

Jean-Marie Le Pen jagt der Republik einen Schrecken ein, den sie bis heute nicht vergessen hat. Im April 2002 bekommt er knapp 200 000 Stimmen mehr als der Sozialist Lionel Jospin und landet mit dem Konservativen Jacques Chirac in der Stichwahl ums Präsidentenamt. Dieser gewinnt zwar mit mehr als 80 Prozent, doch dass ein Rechtsextremer dem Élysée-Palast so nahe kommen konnte, schockiert die Franzosen.

Le Pen verdankt diesen Triumph weniger den eigenen Wählern als den zerstrittenen linken Parteien, die sich gegenseitig Konkurrenz machen und ihre Wähler nicht mobilisieren können. In den folgenden Jahren kann er an den Erfolg nicht anknüpfen. 2007 fügt der konservative Politiker Nicolas Sarkozy dem Front National mit einem betont rechten Wahlkampf eine herbe Niederlage zu. Ein kurzsichtiges Vorgehen: Durch seinen Rechtsruck macht Sarkozy viele Forderungen des FN salonfähig.

Marine Le Pen, die jüngste Tochter des Parteigründers, etabliert innerhalb des FN nach und nach neue Themen. Neben den bekannten Forderungen - weniger Einwanderung, mehr Geld für innere Sicherheit, Wiedereinführung der Todesstrafe - spricht sich der FN nun auch für die Abschaffung des Euro, neue Grenzkontrollen und wirtschaftlichen Protektionismus aus. Außerdem führt Marine Le Pen ein neues Feindbild ein: den Islam.

Stabübergabe und Höhenflug (seit 2010)

Nach fast 40 Jahren an der Spitze gibt Jean-Marie Le Pen den Parteivorsitz ab. Anfang 2011 übernimmt Marine Le Pen, die sich gegen einen Weggefährten ihres Vaters durchgesetzt hat. Der Front National bleibt ein Familienunternehmen: Auch Marine Le Pens Lebensgefährte und ihre Nichte besetzen wichtige Parteiämter.

Schnell geht die damals 42-Jährige ihr wichtigstes Vorhaben an: die "Entteufelung" (dédiabolisation) des Front National. Sie professionalisiert Struktur und Kommunikation der Partei und trennt sich von Mitarbeitern, die durch dumpfe Parolen auffallen. Mit dem Anspruch "weder links noch rechts", sondern eine Alternative für enttäuschte Wähler aller Parteien zu sein, verschreckt sie viele alte Anhänger.

Marine Le Pen jubelt 2012 über ihren dritten Platz bei der Präsidentschaftswahl. 2017 möchte sie in die Stichwahl kommen.

(Foto: AFP)

Dafür gilt es auch unter gemäßigten Franzosen nicht mehr unbedingt als Tabu, den Rechtsextremen die Stimme zu geben. Mit Parolen gegen Einwanderung, Euro und das deutsche "Spardiktat" fährt der FN einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 wird Le Pen Dritte, aus der Europawahl 2014 geht der FN als stärkste Kraft in Frankreich hervor. Dabei profitiert die Partei von der Massenarbeitslosigkeit, dem Gefühl zunehmender Unsicherheit und einer sinkenden Wahlbeteiligung. Außerdem zeigen sich die großen Parteien unfähig, dem FN inhaltliche Argumente entgegenzusetzen.

Marine Le Pen, Anwältin und geschiedene Mutter dreier Kinder, spricht viele Franzosen durch ihre betont bodenständige Art an. Seit sie Vorsitzende ist, haben sich die Mitgliederzahlen fast vervierfacht. Ihren Vater, den FN-Mitbegründer Jean-Marie Le Pen, hat sie inzwischen wegen wiederholter Holocaust-Verharmlosungen aus der Partei ausschließen lassen.

Bei der Präsidentschaftswahl 2017 wird Marine Le Pen Umfragen zufolge in die Stichwahl kommen. Seit der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hofft das FN-Lager, dass ein ähnlicher Umsturz in Frankreich möglich ist. Und die Chefin des Front National 45 Jahre nach dessen Gründung in den Elysée-Palast einzieht.

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