Frankreich Warum Macron nicht Deutschlands Musterschüler sein will

Verstanden sich 2014 eigentlich gut: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Emanuel Macron - damals noch französischer Wirtschaftsminister - und Sigmar Gabriel.

(Foto: REUTERS)

Der französische Kandidat kritisiert den deutschen Exportüberschuss. Eine kluge Taktik. Die Bundesregierung hat ohnehin keine andere Wahl, als weiter auf Macron zu setzen.

Kommentar von Stefan Ulrich

Kaum einer schätzt es, wenn ihm ständig der Klassenprimus als Vorbild präsentiert wird. Das gilt für Schüler wie für EU-Nationen. So reagierten viele Franzosen genervt, als ihnen Nicolas Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2012 penetrant das modèle allemand vorhielt: das deutsche (Wirtschafts-)Modell.

Heute ist es der unabhängige, linksliberale Emmanuel Macron, der aufpassen muss, nicht wie der Musterschüler der Bundesregierung zu wirken. Wenn SPD-Außenminister Sigmar Gabriel den jungen Präsidentschaftskandidaten unterstützt, wirkt ja das noch unbedenklich.

Dass nun aber auch der CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble kaum verhohlen zur Wahl Macrons aufruft, könnte heikel werden. Denn Schäuble steht in Frankreich für eine rigorose Sparpolitik, die Deutschland Europa aufbürde. Und diese Politik ist wenig populär.

Es ist daher klug, dass Macron in den letzten Tagen des Wahlkampfs ein wenig mehr Distanz zu Deutschland sucht. Er kritisiert - wie viele Ökonomen oder die US-Regierung - den hohen deutschen Exportüberschuss, und er sagt, er werde den Hartz-IV-Reformen nicht folgen.

Die Bundesregierung dürfte dennoch auf einen Sieg Macrons hoffen. Er bleibt der einzige der vier chancenreichen Kandidaten, der ohne Wenn und Aber zu Europa steht und auf beste Zusammenarbeit mit Deutschland setzt.

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