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Frankreich:Tödliches Attentat bei Paris

Ein Lehrer wird auf offener Straße mit einem Messer getötet. Präsident Macron spricht von einem eindeutig islamistischen Terroranschlag.

Von Leo Klimm, Paris

In einem Vorort von Paris ist bei einem mutmaßlich terroristischen Attentat am Freitagabend einem Mann auf der Straße die Kehle durchschnitten worden, zunächst war von einer Enthauptung die Rede gewesen. Der Angreifer wurde kurz danach von einem Einsatzkommando der Polizei getötet. Das Opfer soll ein Lehrer sein, seine Leiche wurde in der Nähe des Gymnasiums der Stadt Conflans-Sainte-Honorine aufgefunden. Der mutmaßliche Täter sei mit einem Küchenmesser bewaffnet gewesen, berichten französische Medien unter Berufung auf Polizeiquellen. Als er von der Polizei gestellt wurde, habe er sich geweigert, das Messer niederzulegen und habe die Beamten bedroht. Daraufhin habe das Kommando das Feuer eröffnet. Der mutmaßliche Täter sei seinen Verletzungen erlegen. Über sein Alter und seine Identität gab es zunächst nur widersprüchliche Angaben.

Staatspräsident Emmanuel Macron begab sich am Abend zum Ort des Attentats im Nordwesten von Paris und zeigte sich tief bewegt. An den Motiven des Angreifers gebe es keinen Zweifel, sagte der Staatschef. Der Lehrer sei "eindeutig einem islamistischen Terrorattentat" zum Opfer gefallen, weil er seinen Schülern ein Grundprinzip der französischen Demokratie habe beibringen wollen: "die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben", sagte Macron. Islamisten wollten die Republik zu Fall bringen. "Sie werden das nicht schaffen. Sie werden uns nicht spalten", sagte er. Frankreichs Lehrern sicherte der Staatschef die Solidarität des ganzes Landes zu. Die Pariser Antiterror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen an sich gezogen, und das französische Innenministerium richtete einen Krisenstab ein.

Zeugen berichten, dass der mutmaßliche Attentäter "Allahu Akbar" gerufen habe. Das Opfer soll, berichten mehrere Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise, kürzlich in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit die berühmten Mohammed-Karikaturen aus der Satirezeitschrift Charlie Hebdo gezeigt haben. Die Redaktion der Zeitschrift war im Januar 2015 Opfer eines islamistischen Angriffs geworden, bei dem zwölf Menschen starben. Zurzeit läuft in Paris der Prozess gegen mögliche Unterstützer der damaligen Attentäter. Zum Prozessauftakt im vergangenen Monat hatte Charlie Hebdo die Mohammed-Karikaturen erneut veröffentlicht. Am Ort des Attentats von 2015 hat erst vor wenigen Wochen ein aus Pakistan stammender Mann zwei Personen angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt. Sein Motiv soll gewesen sein, dass ihn die Wiederveröffentlichung der Karikaturen gestört habe. Im französischen Innenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet.

© SZ vom 17.10.2020
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