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Frankreich:Terrorattacke in Paris

Drei Tage vor den Präsidentschaftswahlen erschießt ein Angreifer einen Polizisten auf den Champs-Élysées und verletzt einen weiteren. Präsident Hollande geht von einem terroristischen Motiv aus.

Von Christian Wernicke, Paris

Schüsse in Paris

Die Polizei sichert am Donnerstagabend die Gegend um die Pariser Champs-Élysées. Zuvor fielen auf dem Boulevard die tödlichen Schüsse.

(Foto: Kamil Zihnioglu/AP/dpa)

Drei Tage vor den französischen Präsidentschaftswahlen hat erneut ein blutiger Terroranschlag die Hauptstadt Paris erschüttert. Ein mutmaßlicher Terrorist tötete am Donnerstagabend auf der Avenue des Champs-Élysées einen Polizisten. Der Täter verletzte mit seiner Schnellfeuerwaffe zudem zwei weitere Beamte schwer, ehe er von Sicherheitskräften erschossen wurde. Staatspräsident François Hollande sprach im Fernsehen von Hinweisen auf einen "terroristischen Hintergrund". Die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" reklamierte auf ihrem Propaganda-Kanal Amaq den Angriff für sich.

Eine auf Terrorverbrechen spezialisierte Staatsanwaltschaft nahm noch am Abend die Ermittlungen auf. Zur Tatzeit übertrug das französische Fernsehen eine Vorstellungsrunde der elf Anwärter auf das höchste Staatsamt.

Nach Angaben eines Sprechers des französischen Innenministeriums soll der mutmaßliche Attentäter gegen 21 Uhr auf der Pariser Prachtstraße in der Nähe der Metro-Station Franklin Roosevelt aus seinem Auto gesprungen sein, um sofort das Feuer auf einen am Straßenrand geparkten Kleinbus der Polizei zu eröffnen. Ein Polizist sei von einem Kopfschuss getroffen worden und auf der Stelle verstorben. Anschließend habe der Täter die Flucht ergriffen, er sei jedoch von den vor der Wahl verstärkt patrouillierenden Sicherheitskräften niedergestreckt worden. Zur Identität des getötete Angreifers machten die Behörden in der Nacht keine Angaben, die Agentur AFP berichtete unter Berufung auf Justizkreise aber, dass er den Ermittlern bekannt gewesen sei. Noch am Abend wurde eine Wohnung im Südwesten von Paris durchsucht.

Die Avenue des Champs-Élysées blieb für Stunden zwischen dem Triumphbogen und der Place de la Concorde für jeden Verkehr gesperrt. Die Polizei ging Hinweisen nach, dass am Anschlag ein zweiter Täter beteiligt gewesen sei. Sie rief die Bevölkerung auf, die Gegend um den Pariser Prachtboulevard zu meiden. Auf der riesigen Straße waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge zu sehen. Polizisten und Soldaten riegelten die Umgebung ab und forderten Touristen auf, in ihre Hotels zurückzukehren. Metro-Stationen wurden geschlossen. Später teilten die Ermittler mit, der Angreifer habe offenbar allein gehandelt.

Präsident Hollande rief sein Sicherheitskabinett im nur wenige Hundert Meter vom Tatort entfernten Élysée-Palast zu einer Krisensitzung zusammen, an der auch Premier Bernard Cazeneuve teilnahm.

Paris war 2015 Ziel zweier großer islamistisch motivierter Terroranschläge: dem Angriff auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo im Januar mit zwölf Toten und der Terrorserie vom November, bei der 130 Menschen getötet wurden. Danach wurde in Frankreich der Ausnahmezustand verhängt. Außerdem gab es kleinerer Anschläge, im Februar auf den Louvre und im März am Flughafen Orly. Erst am Dienstag wurden in Marseille zwei Männer festgenommen, die offenbar einen Anschlag vor der Wahl planten. Zudem wurden in einer Wohnung ein Maschinengewehr, zwei Pistolen, drei Kilogramm Sprengstoff und dschihadistisches Propagandamaterial gefunden.

© SZ vom 21.04.2017
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