Frankreich steht unter dem Eindruck schwerer Gewalttaten am Rande von Schülerprotesten. Die seit Ende vergangener Woche andauernden Schülerproteste richten sich gegen aus Sicht der Jugendlichen marode Schulgebäude, überfüllte Klassen und zu wenige Lehrkräfte. Auslöser war Personalmangel an einer Schule in einem Pariser Vorort. Teils richtet sich der Unmut auch gegen die Plattform für die Vergabe von Studienplätzen. Nach Regierungsangaben waren am Freitag 735 von rund 3700 Schulen von Protesten betroffen. Am Samstag schien sich die Lage zunächst beruhigt zu haben. Videos der vergangenen Tage und Berichte Betroffener, die französische Fernsehsender zeigen, lösten jedoch weiterhin Entsetzen aus.
Mehr als 300 Polizisten und Gendarmen verletzt
Ein Lehrer aus La Ciotat östlich von Marseille sagte dem Sender BFMTV, Jugendliche hätten ihn mit Benzin übergossen, als er versucht habe, ein Feuer an einem Baum vor seiner Schule zu löschen. Er sei gezielt getroffen worden, berichtete der Lehrer. Auf weiteren Videos ist zu sehen, wie Polizisten von Jugendlichen zu Boden gestoßen, getreten und geschlagen werden. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden seit Montag mehr als 300 Polizisten und Gendarmen bei Einsätzen verletzt.
Auch Beschäftigte an Schulen und Schülerinnen und Schüler wurden verletzt. Bildungsminister Édouard Geffray sprach von 65 verletzten Beschäftigten des Bildungswesens, darunter 40 Schulleiter, sowie 170 verletzten Schülerinnen und Schülern. Nuñez zufolge wurden zudem mehr als 5000 Menschen festgenommen. 85 Prozent von ihnen seien minderjährig.
Eine „Welle hemmungsloser Gewalt“
Der Innenminister bezeichnete die Vorfälle als eine „Welle hemmungsloser Gewalt“ rund um Schulen. Für die Mobilisierung machte er unter anderem soziale Netzwerke und den Einfluss der linken Partei La France Insoumise mitverantwortlich.
In der Politik wird nun darüber diskutiert, Eltern stärker für das Verhalten ihrer minderjährigen Kinder und mögliche Schäden haftbar zu machen. Justizminister Gérald Darmanin forderte Staatsanwälte auf, die zivilrechtliche Haftung der Eltern geltend zu machen.
Schülervertreter verurteilten die Gewalttaten, riefen aber dazu auf, die Proteste fortzusetzen. Für Dienstag kündigten sie eine weitere Demonstration an.

