Frankreich:Revolte gegen Macron

Die Geduld der Franzosen mit Macron ist am Ende.

Von Leo Klimm

In Frankreich erhebt sich das Volk. Nicht zu einer Revolution, um den König zu köpfen; das hat es vor mehr als zwei Jahrhunderten schon erledigt; wohl aber zu einer von verständlicher Wut genährten Revolte, die Präsident Macron alle politische Kraft kosten kann - und damit auch die Energie für einen Neustart Europas, wie er ihn am Sonntag bei seiner Rede vor dem Bundestag beschworen hat.

Die politische Stimmung in Frankreich ist schon lange sprunghaft. Macron hat selbst davon profitiert. Doch so plötzlich, wie der Wunsch nach Veränderung ihn, den Außenseiter, vor anderthalb Jahren an die Macht getragen hat, so schonungslos verkehrt er sich nun gegen ihn. Treibstoff dieser Revolte ist nur vordergründig der Ärger von Autofahrern über steigende Spritsteuern. Tatsächlich geht es um viel mehr: Es geht um die enttäuschte Hoffnung von Millionen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage und die des ganzen Landes unter Macron schnell bessern werde.

Der Präsident hat keinesfalls nur die Reichen entlastet, wie ihm oft vorgehalten wird, sondern durchaus auch die Normalbürger. Aber das hat nicht gereicht, um die Stimmung und die Konjunktur entscheidend zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Die Geduld der Franzosen mit Macron ist schon am Ende. Das ist eine schlechte Nachricht, auch für Europa und für Deutschland.

© SZ vom 19.11.2018
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