Süddeutsche Zeitung

Frankreich:Proteste gegen Rentenreform schlagen erneut in Gewalt um

Brennende Autos, Feuerwerkskörper und Tränengas: In Paris, Nantes und Rennes eskaliert der anhaltende Ärger über Macrons Rentenreform. Gut 13 000 Polizisten sind einsatzbereit.

In Frankreich sind die neuen Proteste gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron in Gewalt umgeschlagen. Die Demonstrationen in mehreren Städten begannen am Dienstagmorgen friedlich. Später wurde jedoch etwa in Nantes eine Filiale der Bank BNP Paribas in Brand gesetzt. Die Polizei rief der Bevölkerung auf, gewisse Gebiete zu meiden. Auch ein Auto wurde angezündet, Feuerwerkskörper flogen in die Richtung von Beamten. Ein weiteres angezündetes Auto wurde am Nachmittag aus Rennes gemeldet, wo auch Straßen blockiert wurden.

Innenminister Gerald Darmanin hatte am Vortag gewarnt, dass es bei den Protesten zu einer "sehr ernsten Bedrohung der öffentlichen Ordnung" kommen könnte. Im Laufe des Tages sollten insgesamt gut 13.000 Polizisten eingesetzt werden. Gewerkschaften warfen der Regierung vor, den Dialog über die Reform zu verweigern. "Es ist unerträglich, dass wir abgeblockt werden", sagte der Chef von CFDT, Laurent Berger, bei einer Demonstration in Paris.

Zuletzt waren am Donnerstag Hunderttausende aufgebrachte Franzosen gegen geplante Maßnahmen wie etwa die Erhöhung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre auf die Straße gegangen. In Paris setzte die Polizei Tränengas und Blendgranaten ein, 123 Beamte wurden der Regierung zufolge im ganzen Land verletzt. Das Innenministerium gab die Zahl der Teilnehmer mit mehr als einer Million an. Macrons Regierung hatte die Reform durch einen Verfahrenskniff unter Umgehung des Parlaments auf den Weg gebracht und den Unmut in der Bevölkerung damit verschärft.

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