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Frankreich:Protest auf dicken Reifen

(Foto: Kenzo Tribouillard/AFP)

In Paris kämpfen Frankreichs Landwirte gegen die Pleite - mit Erfolg: Premier Valls präsentiert ein Hilfspaket, das fast alle Forderungen bedient.

Mit wehenden Fahnen und schrillen Parolen eroberten die Trecker Paris: Mehr als 5000 französische Bauern legten am Donnerstagmorgen mit ihrem "Konvoi der letzten Chance" den Berufsverkehr auf allen Autobahnen rings um die französische Hauptstadt lahm, ehe sie - samt Fahrzeug - auf der Place de la Nation im Herzen der Metropole für das Überleben ihres Nährstandes demonstrierten . "Wer Elend sät, wird Wut ernten", stand auf ihren bunten Plakaten, oder schlicht: "Kein Land ohne Landwirte!" Der Protest verlief bis zum frühen Abend friedlich - auch, weil Premierminister Manuel Valls die Landwirte am Nachmittag mit einer "Liebeserklärung" ("message d'amour") umgarnte und drei Milliarden Euro Nothilfe versprach.

Seit Monaten beklagen Frankreichs Milchbauern sowie Schweine- und Rinderzüchter den Verfall ihrer Erzeugerpreise. Molkereien zahlen selten mehr als 30 Cent für den Liter Milch, Schlachthäuser bieten für das Kilo Schwein 1,30 Euro oder für 1000 Gramm Rind weniger als drei Euro. Preise, bei denen Frankreichs Landwirte und Züchter nach eigenem Bekunden nicht überleben können. Vor allem in Westfrankreich, in der Bretagne und in der Normandie sind laut Bauernverbands FNSEA zahllose Höfe von der Pleite bedroht.

Frankreichs Agrarier sehen sich im europäischen Wettbewerb chronisch benachteiligt: Deutsche, Dänen und Niederländer würden billiger produzieren, weil deren Betriebe größer und effizienter seien sowie häufig von billigen Leiharbeitern aus Osteuropa profitierten. Tatsächlich sind viele französische Höfe überschuldet - und oft nicht mehr in der Lage, notwendige Modernisierungen zu finanzieren. Die FNSEA forderte als Ausweg Steuernachlässe, weniger Öko-Auflagen und staatliche Zuschüsse, um bäuerliche Investitionen anzukurbeln. Kritiker, darunter auch der grüne Bauernverband "Conféderation Paysanne", kritisieren den FNSEA-Kurs hingegen als "Weg in den Selbstmord", da so die Massenproduktion forciert und das Sterben kleiner Höfe beschleunigt werde.

Der Protest verlief auch deshalb entspannt, weil sich Paris vorbereitet hatte. Berufspendler verzichteten auf ihre Autos. Auch die Politik war gerüstet: Nach tagelangen Vorgesprächen zwischen Bauernverband und Agrarministerium präsentierte Premier Valls ein Hilfspaket, das fast alle Forderungen der Landwirte bediente: Steuer-Stundung, niedrigere Soziallasten, weniger Umweltauflagen - und ein Programm zur Förderung von Investitionen. "Sie haben den Rückhalt der Nation", versicherte Premier Valls den Bauern live im Fernsehen. FNSEA-Präsident Xavier Beulin bestätigte kurz darauf auf der Place de la Nation seinen Mitgliedern: "Die Regierung hat uns verstanden!" Sollte sich dies jedoch ändern, warnte Beulin, "dann kommen wir wieder!"