Gewalt in Frankreich Macron beruft Krisensitzung der Regierung ein

Präsident Emmanuel Macron (3. v. l.) und Innenminister Christophe Castaner (M.) verschaffen sich nahe dem Triumphbogen ein Bild von der Lage.

(Foto: REUTERS)
  • Nach den Krawallen in Frankreich hat sich die Regierung zu einer Krisensitzung getroffen.
  • Vor allem in Paris kam es zu Ausschreitungen, bei denen mehr als 100 Menschen verletzt und mehr als 400 festgenommen wurden.
  • Die "Gelbwesten"-Demonstranten fordern unter anderem Steuersenkungen sowie eine Anhebung von Mindestlohn und Renten.

Nach den schwersten Ausschreitungen in Frankreich seit Jahren hat Präsident Emmanuel Macron am Sonntag eine Krisensitzung seiner Regierung zu Sicherheitsfragen einberufen. An dem Treffen im Pariser Elysée-Palast nahmen Premierminister Édouard Philippe, Innenminister Christophe Castaner und der für Verkehr und Energie zuständige Umweltminister François de Rugy teil.

Sie wollen gemeinsam beraten, wie auf die Krawalle zu reagieren sei. Die französische Regierung erwog offenbar auch die Verhängung des Ausnahmezustands. Es würden alle Optionen geprüft, um erneute Ausschreitungen zu verhindern, sagte ein Regierungssprecher. In dem Krisentreffen wies Macron die Regierung an, Gespräche mit Vertretern der Demonstanten aufzunehmen. Das teilte der Élysée-Palast nach der Sitzung mit. Premierminister Edouard Philippe solle Vertreter der im Parlament vertretenen Parteien sowie der "Gelbwesten" empfangen, die Gespräche bereits am Montag beginnen.

Plünderungen mit Äxten, Graffitis am Triumphbogen

Demonstranten hatten sich am Samstag vor allem in Paris Straßenschlachten mit der Polizei geliefert, ganze Straßenzüge glichen einem Schlachtfeld. Demonstranten in gelben Warnwesten setzten Autos in Brand, schlugen Fenster ein, plünderten Geschäfte und besprühten den Triumphbogen mit Graffiti. Vermummte Männer randalierten zum Teil mit Metallstangen und Äxten in den Straßen im Zentrum. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Zwischenfällen. In Frankreich ist von einem "Schwarzen Samstag" die Rede.

Landesweit wurden bei Protestaktionen der "Gelbwesten" 263 Menschen verletzt, die Hälfte von ihnen in Paris. Unter den Verletzten sind nach Polizeiangaben 23 Sicherheitskräfte. In der Hauptstadt nahm die Polizei 412 Menschen fest, von denen sich am Sonntag noch 378 in Gewahrsam befanden.

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Macron wird ausgebuht

Macron machte sich nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel in Buenos Aires am Sonntag ein Bild von den Zerstörungen in Paris. Er besuchte den Triumphbogen, den Demonstranten mit Parolen wie "Triumph der Gelbwesten" und "Macron, tritt zurück!" besprüht hatten. Auf der nahegelegenen Avenue Kléber traf er Geschäftsleute, deren Läden verwüstet worden waren. In einer Rede dankte Macron den Einsatzkräften. Dabei wurde er von Demonstranten ausgebuht.

Es war der dritte landesweite Aktionstag der "Gelbwesten" an einem Samstag in Folge. Nach Angaben des Innenministeriums vom Nachmittag hatten sich daran geschätzt 75 000 Menschen beteiligt. Als Erkennungszeichen tragen die Anhänger der Bewegung gelbe Warnwesten, wie sie für Autofahrer im Fall einer Panne oder eines Unfalls vorgeschrieben sind. Die Proteste richten sich längst nicht mehr nur gegen die erhöhten Spritpreise, an denen sich die Wut ursprünglich entzündete, sondern gegen die Reformpolitik der Regierung sowie hohe Lebenshaltungskosten und niedrige Löhne und Renten.

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