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Frankreich:"Genau so eine Schlacht brauchen wir"

Valls, der Tatmensch. An diesem Profil schnitzt er seit Jahren, von diesem Image will der bisherige Premier zehren, wenn's sein muss auch auf Kosten des bisherigen Präsidenten. Tatsächlich war es wiederholt Valls, der den Zauderer Hollande zum Handeln nötigte. Im Sommer 2015 drohte Valls mit Rücktritt, falls der Präsident nicht den links-sozialistischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (samt zwei weiteren Kabinettsrebellen) fristlos entlasse. Nach den Terrorattentaten vom 13. November 2015 war es Valls, der einem verdutzten Hollande einen Notstandsplan samt Verhängung des Ausnahmezustands präsentierte. Und auch bei der letzten Kraftprobe mit der Linken, den monatelangen Streiks und Protesten gegen eine Lockerung von Kündigungsschutz und 35-Stunden-Woche im Frühjahr, mahnte Valls seinen Staatschef zum Durchhalten. Da klingt es fast zu bescheiden, wenn Valls am Freitag sagt, er wolle im Wahlkampf "die Bilanz von François Hollande verteidigen". Der Mann meint sich selbst.

Es wäre, immerhin, einer der wenigen Vorteile im Vergleich zu 2012: Bei dieser Wahl wüssten die Sozialisten (und alle Franzosen), woran sie sind mit dem PS-Kandidaten. Vor fünf Jahren hatten sich die diversen Parteiflügel auf François Hollande als kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Der Kompromisskandidat machte linke Sprüche ("Die Finanzwelt ist mein wahrer Gegner!"), um dann rechts zu regieren. Diesmal wäre die Linie klar. Weiter so wie bisher, doppelte Kraft voraus.

Frankreich

François Hollande - schwach angefangen, stark nachgelassen

Ob ganz links, ob in der Mitte - überall droht Valls heftige Konkurrenz

Nur, noch hat Valls nicht gewonnen, nicht einmal die Restruine des Parti Socialiste hat er erobert. Welchen Kurs die Partei einschlägt, das entscheidet sich am 22. und 29. Januar. Dann ruft sie zur "Primaire de la Gauche", zur Urwahl. Alle Umfragen verheißen Valls ein Duell mit seinem Lieblingsfeind Arnaud Montebourg, dem geschassten Wirtschaftsminister. Der Globalisierungsgegner verbindet Protektionismus mit Populismus, wettert gegen Brüssels und Berlins Europa-Kurs, will Hollandes Wirtschaftsreformen zum Teil revidieren. "Das wird ein heißer Wahlkampf", prophezeit anonym der Valls-Vertraute, "aber genau so eine Schlacht brauchen wir: Im Januar wird die Vorwahl der Linken das einzige Thema für die Franzosen sein." Valls' Plan ist es, im Kampf gegen Montebourg nationale Statur zu gewinnen.

Valls muss darauf bauen, was alle Konkurrenten versprochen haben: dass sich nach dem 29. Januar sämtliche Verlierer hinter dem Vorwahl-Sieger scharen. Denn dann lauern weitere sieben Widersacher auf der Linken, die sich weigerten, an der Vorwahl der Sozialisten teilzunehmen. Am äußersten roten Rand kämpft Jean-Luc Mélenchon. Umfragen prophezeien dem Kandidaten der Linksfront aktuell zwölf bis 14 Prozent - Stimmen also, die Valls im April schmerzlich fehlen könnten.

82 Prozent

... der Franzosen begrüßen die Entscheidung von Präsident François Hollande, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Das ergab am Freitag eine Blitzumfrage des Instituts Harris Interactive. Besonders hart dürfte Hollande ein weiteres Ergebnis der Umfrage treffen: 86 Prozent der Anhänger der Linken sind froh, dass der Sozialist mit dem Ende seiner Amtszeit abtritt.

Valls wird Macron als "Brutus" bekämpfen

Endgültig in die Klemme bringt Valls jedoch die Kandidatur von Emmanuel Macron. Der sozialliberale Jungstar sucht seine Stimmen in der Mitte, ist wirtschaftspolitisch radikaler als Valls - und in gesellschaftlichen Fragen toleranter, weltoffener als der frühere Polizeiminister. Macron - einst ebenfalls Wirtschaftsminister und als Hollandes Musterschüler gepriesen, nun aber als Verräter bei Hofe verdammt - ist der einzige Kandidat, der in Frankreich riskiert, für mehr Europa zu werben.

Valls wird Macron als "Brutus" bekämpfen, als Mörder seines Ziehvaters Hollande. Den Vorwurf, er selbst habe Hollande in den politischen Tod getrieben, weist Valls zurück. Er sucht den richtigen Abstand zu Hollande, will weder Mörder noch Zögling des ungeliebten Präsidenten sein. Auch deshalb verzichtete der Monarch im Élysée wohl darauf, seinen Kronprinzen zu benennen. Zu viel Nähe wäre für Valls kein Segen. Wohl eher ein Fluch.

Emmanuel Macron Das verdammte System

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