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Frankreich:Ende einer Elite-Hochschule

FILE PHOTO: France's National School of Administration, ENA, (Ecole Nationale d'Administration) is seen in Strasbourg

Macron hat sie selbst absolviert, nun will der Präsident sie abschaffen: Die Beamtenhochschule Ena in Strasbourg.

(Foto: Vincent Kessler/REUTERS)

Emmanuel Macron will die Verwaltungshochschule Ena abschaffen, die zum Symbol der sozialen Ungleichheit in Frankreich wurde. Es ist eine späte Reaktion auf die Wut der Gelbwesten.

Von Nadia Pantel, Paris

Der Reformpräsident ist zurück. Am Donnerstag kündigte Emmanuel Macron vor Hunderten von Frankreichs höchsten Beamten bei der "conférence des managers de l'État", wie es in schickstem Business-Französisch hieß, das Ende der Verwaltungshochschule Ena an. Die École nationale d'administration (Ena) soll von einem neu zu schaffenden "Institut du Service Public" ersetzt werden. In diesem Institut sollen zusätzlich zur Ena dreizehn weitere Elitehochschulen aufgehen. Macron versprach in seiner Rede eine "tiefgreifende Revolution" der Auswahlverfahren. Die neue Hochschule werde sich stärker der Wissenschaft öffnen und internationaler werden als die Ena, so Macron.

An der Ena werden seit 1945 Frankreichs höchste Beamte ausgebildet. Zugang zur Hochschule erhält nur, wer die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung besteht. Das System wurde von Charles de Gaulle erdacht, um Leistung und Intelligenz zu Kriterien für den Zugang zur Staatsspitze zu machen, und nicht wie bis dahin allein Beziehungen über die Karriere entscheiden zu lassen.

Doch die Ena steht schon lange nicht mehr im Ruf, ein Instrument zur Schaffung von Chancengleichheit zu sein. Im Gegenteil. Ihre Absolventen rekrutieren sich großteils aus einem homogenen Milieu der Bessergestellten, denen nach Besuch der Hochschule die exklusivsten Jobs garantiert sind. Als im Winter 2018/2019 in ganz Frankreich die Gelbwesten auf die Straße gingen, um ihre Wut über das politische System zu zeigen, von dem sie sich missachtet und vergessen fühlten, stand auch immer wieder die Ena in der Kritik. Es war eine Reaktion auf eben diese Wut, als Macron im April 2019 verkündete, er werde die Ena abschaffen. Ein Versprechen, das der Präsident nun mit zweijähriger Verspätung einlöst.

Im Februar hatte Macron bereits neue Zugangswege zur Ena versprochen, um mehr soziale Durchmischung bei den Absolventen zu erreichen. Macron sagte damals über die Ena: "Kein Kind der Republik soll mehr sagen, das ist nichts für mich." Der "soziale Fahrstuhl", also der Aufstieg durch Leistung, für den die Ena in der Theorie stehen sollte, funktioniere "schlechter als vor 50 Jahren."

Macron sah die Revolte voraus, sie richtete sich auch gegen ihn

Diese Analyse, dass weite Teile des Landes sich von der führenden Elite des Staates abgehängt und nicht gesehen fühlen, lieferte Macron bereits 2017 als Kandidat. "Das heutige Frankreich ist geteilt und zerrissen. Auf der einen Seite das Frankreich der Metropolen, auf der anderen Seite das Frankreich, das wir 'Peripherie' nennen. Diesem Frankreich der Peripherie fehlt oft die grundlegende Infrastruktur, öffentlicher Nahverkehr, Krippen, Kulturveranstaltungen."

So schrieb es Macron in seinem Buch "Revolution", mit dem er sich für die Präsidentschaft bewarb. Macron sprach sogar konkret von einer "Revolte", die durch "die Sichtbarkeit sozialer Ungleichheiten" genährt werden könnte. Durch die "Gilets jaunes" kam es kurz darauf tatsächlich zu genau dieser Art von Aufstand. Nur dass die "Gilets jaunes" in Macron niemanden sahen, der ihre Lage verstand. Sondern das Symbol schlechthin für einen abgehobenen, arroganten Staatschef.

Ob dieses Bild durch die Abschaffung der Kaderschmiede Ena zurechtgerückt werden kann, wird sich zeigen. Macron selbst ist "Enarch", sein erster Premierminister Édouard Philippe war es ebenso wie sein jetzt amtierender Nachfolger Jean Castex. Macrons Spitzenkandidatin für die Europawahl 2019, Nathalie Loiseau, war sogar Direktorin der Ena. Es ist also nicht so, als würde Macron der Qualität der Ausbildung der Hochschule misstrauen. Macron sagte am Donnerstag, es gehe nicht darum, "Schande über die Ena zu bringen", er vergesse nicht, was er "dieser Ausbildung schulde". Doch die Auswahl und Ausbildung der hohen Beamten müsse "radikal verändert" werden. Die neue Hochschule stehe, so der Élysée, in der Kontinuität von Macrons "Philosophie": Es solle ein "menschlicherer Staat", "näher am Bürger" geschaffen werden.

© SZ/vgr
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