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Frankreich:Gelungene "Entteufelung"

Den Konservativen der UMP-Partei wiederum fällt seit ihren Niederlagen 2012 nicht viel mehr ein als Sarkozy-Nostalgie. Inhaltlich schwanken sie, unter dem Druck des Front, zischen einer nationalkonservativen Rechtswende und der Beibehaltung eines bürgerlich-liberalen Kurses. Personell konnte sich die Partei bislang nicht erneuern. Ihr bester Mann, Alain Juppé, der Bürgermeister von Bordeaux, ist Jahrgang 1945. Zwar hat sich die UMP bei den Kommunalwahlen achtbar geschlagen. Das sollte sie aber nicht beruhigen. Ihre Sehnsucht, 2017 nochmals mit Sarkozy in eine Präsidentschaftswahl zu gehen, ist gefährlich. Der Alt-Präsident ist von zu vielen Affären bedroht. Zudem wird die UMP nun wohl auf lange Zeit im Front National einen harten Konkurrenten im rechten Lager haben.

Als Marine Le Pen vor drei Jahren den Front vom Vater übernahm, erklärte sie, sie wolle die als fremdenfeindlich und antisemitisch diskreditierte Partei "entteufeln". Das ist ihr recht gut gelungen. Der Front National hat braunen Ballast abgeworfen, seine Kader verjüngt und neue Themenfelder erschlossen. Marine Le Pen rückte die soziale Misere ins Zentrum ihrer Politik. Jetzt erntet sie die Früchte des Zorns der Franzosen. Sie greift die Sorgen der Arbeiter und der absteigenden Mittelschicht auf und predigt ihnen Nationalismus sowie eine Abwendung von Euro und EU. Diese Rezepte sind illusorisch. Doch man muss Marine Le Pen zugestehen, dass sie clever agiert. Sie ist schlagfertig, rhetorisch begabt, beherrscht Sarkasmus wie Polemik und inszeniert sich als frische Kraft. So lässt sie Sozialisten und Konservative alt aussehen.

Ist Madame noch zu stoppen? Präsident Hollande scheint einzusehen, dass er Farbe bekennen und Frankreich modernisieren muss, auch wenn sich ein Teil der Linken abwendet und ihm weitere Niederlagen in diesem Jahr drohen. Wenn er jetzt eine kleinere, schlagkräftige Regierung bildet und das Reformtempo steigert, könnte er einen Aufschwung seines Landes bis zur Präsidentschaftswahl 2017 schaffen. Versagt er dagegen, werden noch mehr Franzosen nach einer anderen Lösung suchen. Madame wartet darauf.

© SZ vom 25.03.2014/kat

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