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Paris:Tausende Franzosen protestieren gegen Antisemitismus

Antisemitismus in Frankreich

Menschen versammeln sich auf dem Platz der Republik, um gegen Antisemitismus zu protestieren.

(Foto: dpa)
  • In Paris sind Tausende Franzosen gegen zunehmenden Antisemitismus im Land auf die Straße gegangen.
  • Auslöser waren judenfeindliche Schmähungen gegen den Philosophen Alain Finkielkraut und ein geschändeter jüdischer Friedhof im Elsass.
  • Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangte von Frankreich und Europa, entschieden gegen Judenhass vorzugehen.

Tausende Menschen haben in Frankreichs Hauptstadt gegen Antisemitismus demonstriert. Sie versammelten sich am Dienstagabend auf der Place de la République in Paris. Anlass sind sich häufende Taten gegen die jüdische Gemeinde in Frankreich. Präsident Emmanuel Macron besuchte tagsüber einen jüdischen Friedhof im Elsass, der in der Nacht zuvor geschändet worden war.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere antisemitische Taten das Land schockiert. Der Philosoph Alain Finkielkraut wurde vergangene Woche von Demonstranten der sogenannten gelbwesten judenfeindlich beschimpft. Vertreter des gesamten politischen Spektrums hatten Bürger aufgerufen, unter dem Motto "Das ist genug" gegen die Vorfälle zu demonstrieren.

Mit Hakenkreuzen beschmierte Gräber

In der Hauptstadt protestierten die früheren Präsidenten François Hollande und Nicolas Sarkozy, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sowie Ministerpräsident Édouard Philippe mit. "Antisemitismus ist tief verwurzelt in der französischen Gesellschaft. Wir hätten es gerne anders, aber es ist ein Fakt", sagte Philippe dem Magazin L'Express. "Wir müssen absolut entschlossen sein, ich würde sagen, fast wütend in unserem Willen (...), zu kämpfen. Mit dem klaren Bewusstsein, dass dieser Kampf ein alter ist und er lange Zeit dauern wird."

Macron hatte sich beim Besuch des Friedhofs betroffen gezeigt. Der Anblick der mit Hakenkreuzen beschmierten Grabsteine beschäme ihn, so der Staatspräsident. "Das sieht nach absurder Dummheit aus", erklärte er und sicherte der jüdischen Gemeinde Maßnahmen zu. Insgesamt waren in Quatzenheim 80 jüdische Gräber geschändet worden.

Aus dem Ausland gab es bestürzte Reaktionen auf die Vorfälle. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangte von Frankreich und Europa, sich entschieden gegen Judenhass einzusetzen. Antisemitismus sei eine Seuche, "die alle in Gefahr bringt, nicht nur uns". Er müsse, wo und wann auch immer er sich zeige, angeprangert werden. Die Gräberschändung im Elsass bezeichnete er als "schockierenden Vandalismus", verübt von "wilden Antisemiten".

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