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Frankreich:Ermittler lassen Ex-Präsident Sarkozy abhören

Seit Monaten soll das Telefon von Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy überwacht werden. Das enthüllt die Tageszeitung "Le Monde". Auslöser der Ermittlungen sei eine mögliche Wahlkampffinanzierung des früheren libyschen Machthabers Gaddafi gewesen - mittlerweile geht es um mehr.

Gegen Frankreichs früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy (59) laufen intensive strafrechtliche Ermittlungen, die auch Abhöraktionen umfassen. Wie die Pariser Tageszeitung Le Monde am Freitag enthüllte, lassen Untersuchungsrichter wegen einer mutmaßlichen Wahlkampfspenden-Affäre seit Monaten die Telefone des 59-Jährigen überwachen. Auch die früheren Innenminister Brice Hortefeux und Claude Guéant sollen betroffen sein. Sie gelten als enge Vertraute Sarkozys, dem Ambitionen auf ein politisches Comeback nachgesagt werden.

Ursprünglicher Anlass für die Abhöraktion war nach Informationen der Zeitung der Verdacht, dass der konservative Sarkozy seinen Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2007 zum Teil mit Spenden des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi finanziert haben könnte. Die Staatsanwaltschaft hatte deswegen bereits im vergangenen April ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Mittlerweile soll es auch um Korruptionsdelikte gehen

Mittlerweile gehe es aber auch um Korruptionsdelikte wie missbräuchliche Einflussnahme, hieß es. Es hätten sich bei der Abhöraktion Hinweise darauf ergeben, dass Sarkozy sich dafür eingesetzt haben könnte, dass einer der höchsten französischen Richter einen Regierungsberater-Posten im Fürstentum Monaco bekommt. Mögliche Gegenleistung könnte nach Einschätzung der Ermittler der Verrat von Ermittlungsgeheimnissen an Sarkozy gewesen sein.

Sarkozy ließ die Vorwürfe über seinen Anwalt Thierry Herzog zurückweisen. Dieser sprach von ungeheuerlichen Vorgängen und einer politischen Kampagne gegen seinen Mandanten. Ein Sprecher der sozialistischen Regierungspartei (PS) von Präsident François Hollande bezeichnete den Fall hingegen als "potenzielle Staatsaffäre".

Sarkozy, dem Ambitionen auf eine Rückkehr in die Politik nachgesagt werden, steht seit Mittwoch auch im Mittelpunkt einer weiteren Affäre. Ein einst enger Berater des Ex-Präsidenten nahm heimlich Gespräche Sarkozys im Elysée-Palast, aber auch andernorts auf einem Diktiergerät auf. Es soll sich um hunderte Stunden Aufzeichnungen handeln. Auszüge davon wurden diese Woche in der Presse veröffentlicht. Sarkozy und seine Frau Carla haben angekündigt, zivilrechtlich gegen die Weiterverbreitung der Aufzeichnungen vorzugehen.