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Frankreich:Deutscher Staatsanwalt untersucht Nazi-Massaker

Die Bluttat von Maillé ist über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, obwohl sie zu den schwersten Nazi-Kriegsverbrechen in Frankreich gehört. Nun begibt sich ein deutscher Staatsanwalt vor Ort auf Spurensuche.

Ein deutscher Staatsanwalt hat mit der Spurensuche nach einem der schwersten Kriegsverbrechen der Nazis in Frankreich begonnen. Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß und sein Ermittlerteam trafen in Maillé südlich von Tours ein. Im Jahr 1944 töteten deutsche Truppen dort 124 Menschen, darunter 44 Kinder. Die genauen Umstände des Massakers sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt.

60 bis 100 Soldaten sollen beteiligt gewesen sein. Die Suche nach möglichen noch lebenden Tätern gehört zu den Zielen von Maaß, dem nordrhein-westfälischen Chefankläger für NS-Verbrechen. Drei Tage lang wollen die Ermittler aus Dortmund in dem Dorf Zeugen oder Angehörige der Opfer der Bluttat befragen, das Archiv sichten und Details über die möglichen Stationierungsorte der Wehrmacht sammeln. Auch eine Kranzniederlegung an der Gedenkstätte ist geplant.

Das Massaker am 25. August 1944 war eine Vergeltung für einen Anschlag der französischen Résistance auf zwei Militärfahrzeuge in der Nacht zuvor. Nach dem Abzug wurde das 500-Einwohner-Dorf mit Granaten in Schutt und Asche gelegt. Zwei Monate zuvor hatten deutsche Truppen in Oradour 642 Menschen ums Leben gebracht, was als schwerstes Kriegsverbrechen der Deutschen in Frankreich gilt.

Für das Massaker von Maillé wurde der deutsche Leutnant der Reserve Gustav Schlüter bereits 1952 in Bordeaux in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihm wurde Beihilfe zur vorsätzlichen Tötung zur Last gelegt. Gefasst wurde er nie und starb 1965 in Hamburg. Die Bluttat geriet Jahrzehnte in Vergessenheit.

Erst 1987 wurde sie wiederentdeckt, als die Vereinten Nationen Akten zu Kriegsverbrechen freigaben. Wer die Aktion leitete und welche Einheiten beteiligt waren, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Zeugenbefragungen und Recherchen französischer Medien und Historiker hatten die Ermittlungen 2004 wieder ins Rollen gebracht.