Mit einer bewegenden Rede hat Präsident François Hollande am Mittwochabend vier Résistance-Kämpfer geehrt. Anschließend trugen Garde-Soldaten deren sterbliche Überreste ins Panthéon von Paris, gleichsam den Tempel der Republik. In dessen Gruft finden seit der Französischen Revolution von 1789 verdiente Nationalhelden ihre letzte Ruhestätte.
Hollande nutzte die Zeremonie, um die vier Aktivisten des Widerstands gegen die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs der französischen Jugend als Leitbilder zu präsentieren. Der "Geist der Résistance", so Hollande, lebe fort: "Jede Generation hat eine Pflicht zur Wachsamkeit, zum Widerstand." Auf Wunsch des Präsidenten nahmen an der Feier mehrere Schulklassen und Studentengruppen teil. Die jungen Franzosen begleiteten die Särge der vier Helden bis vor das mit Fahnen und Kränzen geschmückten Portal des Panthéon. Hollande, so hieß es aus dem Élysée, habe selbst tagelang an seiner Rede gefeilt und wollte den Staatsakt "für ein Signal der Eintracht nutzen".
Der Präsident würdigte die Schicksale der vier neuen Nationalhelden, um zugleich seine Vorstellung eines modernen, prinzipientreuen Gemeinwesens zu propagieren. Alle vier hätten sich "für dieselben Ideale erhoben" und seien getrieben gewesen "von derselben Liebe, der Liebe fürs Vaterland". Alle vier verkörperten deshalb "Leib und Gesicht der Republik" und seien trotz aller Einzigartigkeit ihrer Lebenswege "untrennbar miteinander verbunden", so der Präsident. Nach seiner Rede begleitete Hollande die vier Särge zum Klang des "Chant des Partisans", der Hymne der Résistance, ins Panthéon.
Bereits bei der Bekanntgabe der vier Geehrten vor über einem Jahr hatte der Präsident jedem der Toten einen Schlüsselbegriff zugewiesen. Diese Idee griff er am Mittwoch wieder auf. Den Journalisten Pierre Brossolette, einen der führenden Köpfe der Résistance, ehrte der Präsident mit dem Wort "Liberté" (Freiheit). Brossolette hatte schon früh vor dem Totalitarismus der Nazis gewarnt. Der Sozialist war im Februar 1944 von deutschen Besatzungstruppen festgenommen und danach im Pariser Hauptquartier der Gestapo an der Avenue Foch tagelang gefoltert worden. Aus Angst, seine Peiniger könnten ihn zum Reden bringen, nutzte Brossolette am 22. März 1944 einen Moment der Unachtsamkeit seiner Wärter, um sich aus dem fünften Stock in den Tod zu stürzen. Brossolette, so Hollande, habe sein Leben der Freiheit geopfert - "und die Franzosen werden immer die Freiheit verteidigen". Er stellte einen direkten Bezug zu den Terroranschlägen vom Januar her. In jenen Tagen sei "derselbe Hass zurückgekommen", dem auch vor über 70 Jahren Journalisten und Juden ausgesetzt gewesen seien.
Der zweiten "Panthéonisierten" vom Mittwoch, der Ethnologin Germaine Tillion, widmete Hollande den Begriff der "Égalité" (Gleichheit). Tillion, die sich im Juni 1940 nach der Kapitulation der mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regierung dem Widerstand verschrieben hatte, half unter anderem jüdischen Bürgern, der drohenden Deportation zu entkommen. Nach einer Denunziation wurde Tillion ins Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Tillion überlebte, und blieb - auch dank ihrer exakten Notizen und Studien - Zeit ihres Lebens eine Kronzeugin des KZ-Horrors. Nach dem Krieg widmete sich Tillion, die schon vor dem Krieg jahrelang im damals von Frankreich kolonialisierten Algerien Feldforschungen betrieben hatte, wieder ihren Studien. Zugleich kritisierte sie scharf die Verelendung der Bevölkerung und die Folter seitens der französischen Armee. Tillion, so Hollande am Mittwoch, habe Solidarität für alle Völker empfunden und würde heute "das Leiden im Irak oder Syrien" anprangern.
Tillion wie auch ihre Résistance-Gefährtin Geneviève de Gaulle-Anthonioz wurden auf Wunsch ihrer Angehörigen nur symbolisch ins Panthéon überführt: Ihre sterblichen Überreste bleiben in den bisherigen Gräbern, in ihren Särgen lag nur etwas Erde ihrer eigentlichen Grabstellen. Hollande ehrte de Gaulle-Anthonioz mit dem Begriff "Fraternité" (Brüderlichkeit): Die Nichte von General de Gaulle, wie Tillion eine Überlebende des KZ Ravensbrück, hatte sich noch im Nachkriegs-Frankreich unerbittlich gegen Armut eingesetzt. Sich Gleichgültigkeit und Fatalismus zu verweigern, so Hollande, "auch das macht die Republik aus."
Den Vierten im Bunde - den ermordeten Kulturminister Jean Zay - zeichnete Hollande mit dem wohl höchsten Ehrenwort aus: dem Begriff der "République". Der linke Radikaldemokrat Zay hatte sich für eine laizistische Schulerziehung aller Franzosen eingesetzt. Bei Kriegsausbruch 1939 legte er sein Ministeramt nieder, um zu kämpfen. Er wurde von Milizionären der Vichy-Regierung 1944 in einem Wald erschossen.
