Frankfurt Zweifel an Anschlagsplänen auf Radrennen

Viele Radfahrer fuhren trotz des abgesagten Radrennens auf der vorgesehenen Strecke.

(Foto: dpa)
  • Recherchen von SZ, NDR und WDR zufolge gibt es erhebliche Zweifel daran, dass es tatsächliche Anschlagspläne auf ein Radrennen in Frankfurt im Mai 2015 gab.
  • Das Rennen war abgesagt worden, nachdem in der Wohnung eines Paars in Oberursel eine Rohrbombe gefunden wurde.
Von Lena Kampf

Rohrbombe war handelsüblichem Böller nachempfunden

Bei den Ermittlungen wegen eines angeblich geplanten terroristischen Angriffs auf das Frankfurter Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" am 1. Mai 2015 mehren sich Zweifel, dass es tatsächlich konkrete Anschlagspläne gab. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) hatte das Traditionsrennen am 30. April abgesagt, nachdem bei einer Durchsuchung in der Oberurseler Wohnung des Islamisten Halil D. eine zündfähige Rohrbombe und Waffenteile gefunden worden waren.

Nach Recherchen von SZ, NDR und WDR könnte es sein, dass die Rohrbombe nicht neu war. Möglicherweise ist sie einst gebaut worden, um Zigarettenautomaten aufzusprengen. Ein Sachverständiger des hessischen LKA bewertete die Rohrbombe als "eigenartig und sprengtechnisch unlogisch". Der "Erbauer" habe anscheinend "versucht, einen handelsüblichen Böller zu kopieren".

Der Beschuldigte D., der in Untersuchungshaft einsitzt, hat sich bei Vernehmungen zur Rohrbombe bisher nicht geäußert. Ein ehemaliger Schulfreund von D. sagte jedoch aus, dass sie als Jugendliche gemeinsam kleine Rohrbomben gebaut hätten. Es sei darum gegangen, "wer den besten Knall" erzeugen kann. Die im Keller in einem Jutebeutel gefundene Rohrbombe ähnelt in der Bauart offenbar den Bomben, die D. und der Zeuge Mitte der 90er Jahre gefertigt haben sollen, allerdings ist sie mit Nägeln und Metallsplittern gefüllt.

Die bei Halil D. gefundenen Waffenteile, darunter Teilstücke des Sturmgewehrs G3, können, wie aus Kreisen der Ermittler verlautet, offenbar nicht zu einer funktionsfähigen Waffe zusammen gefügt werden.

Chemikalie angeblich zur Schimmelbeseitigung eingesetzt

Eine Baumarkt-Kassiererin hatte die Polizei auf D. aufmerksam gemacht, nachdem er Anfang März gemeinsam mit seiner Frau Senay D. drei Flaschen Wasserstoffperoxid kaufte - eine Substanz, die sich zur Herstellung von Sprengstoff eignet. Beim Kauf größerer Mengen von höher konzentriertem Wasserstoffperoxid besteht eine Meldepflicht. D. hatte beim Kauf falsche Personalien angegeben, hinterließ jedoch einen Fingerabdruck. Laut seinem Anwalt war er überrascht, dass er beim Kauf einen Namen habe angeben müssen. Weil er falsche Verdächtigungen fürchtete, habe er spontan einen falschen Namen angegeben.

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Gut zwei Wochen lang waren D. und seine Familie daraufhin observiert worden. Weil D. mit seinem Wagen immer wieder Teile der Strecke des Radrennens entlang fuhr, vermuteten die Ermittler, dass er einen Anschlag geplant haben könnte. Sie griffen wenige Stunden vor dem Startschuss des Rennens zu. Sowohl Halil D. als auch seine Frau Senay wurden festgenommen. Beide sagten aus, das Wasserstoffperoxid zur Schimmelbeseitigung in der Wohnung verwendet zu haben. Ein Gutachter hat Schimmelbefall und dessen Behandlung mit der Substanz bereits im Mai bestätigt, Senay D. wurde daraufhin aus der Untersuchungshaft entlassen.

Halil D., der an der Universität Frankfurt Chemie studiert hatte, aufgrund einer Erkrankung jedoch arbeitslos war, ist den Sicherheitsbehörden bereits vor Jahren im Zuge von Ermittlungen in der Islamistenszene aufgefallen. Er galt aber nicht als gefährlich. Die Ermittler haben auf seinem Computer islamistische Videos gefunden. Er soll laut LKA Kontakte in die Frankfurter Salafisten-Szene geplegt haben.

Die viermonatigen Ermittlungen konnten jedoch die ursprüngliche Vermutung, ein spektakulärer Anschlag auf das Radrennen sei vorbereitet worden, nicht bestätigen. Der für terroristische Vereinigungen zuständige Generalbundesanwalt hat das Verfahren bislang nicht übernommen.