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Verdacht der Polizeigewalt:"Nicht zu rechtfertigen"

Frankfurter Opernplatz

Nach einem Polizeieinsatz in Frankfurt sind dienstrechtliche Maßnahmen gegen einen Polizisten eingeleitet worden.

(Foto: dpa)

Ein Beamter soll in Frankfurt einen Verdächtigen geschlagen und getreten haben, während dieser am Boden lag. Ein Video erhärtet nun die Vorwürfe.

Von Matthias Drobinski

Im Fall eines am frühen Sonntagmorgen in Frankfurt-Sachsenhausen verhafteten Mannes, der offenbar am Boden liegend von einem Polizisten getreten wurde, ist ein weiteres Video aufgetaucht. Es erhärtet den Verdacht der Polizeigewalt. Das sagte Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt, wo es um mögliche rechte Tendenzen in der hessischen Polizei ging. Er nannte das Verhalten des Beamten "unsäglich", es bestehe der Anfangsverdacht einer Straftat, ein Disziplinarverfahren sei eingeleitet.

Der Polizei sei in der Nacht eine Personengruppe aufgefallen, die "sehr schnell, sehr aggressiv" gegenüber den Polizisten auftrat. Eine Person habe ein "unzumutbares Verhalten" gegenüber den Polizisten an den Tag gelegt und sich dann der Festnahme gewaltsam widersetzt. Dabei habe ein Polizist den Mann "an die Schulter oder vor den Kopf" getreten - dies sei "nicht mit der vorigen Situation zu rechtfertigen gewesen". Der Einsatzleiter habe den Polizisten sofort aus dem Einsatz genommen und ihm Konsequenzen angekündigt.

In der Podiumsdiskussion der Katholischen Erwachsenenbildung im Haus am Dom mahnte die Frankfurter Rechtsanwätin Seda Basay-Yildiz Konsequenzen aus der dieser Affäre an. Basay-Yildiz, die in zahlreichen Drohmails unter Verwendung mit Daten aus einem Frankfurter Polizeicomputer mit dem Tod bedroht wird, fürchte, dass die vom Dienst suspendierten Polizisten bald wieder im Einsatz seien würden.

© SZ/fie
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