François Hollande neuer Präsident Frankreichs Merkel bekommt in Hollande einen guten Partner

Der Wahlkampf weckte daran Zweifel. Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon, die Führer der radikalen Rechten und Linken, schürten die Illusion, Frankreich könne sich von Europa abwenden und in einen kuscheligen Sozialnationalismus ohne ausländische Menschen beziehungsweise ausländisches Kapital flüchten. Gemeinsam bekamen die Extremisten im ersten Wahlgang ein Drittel der Stimmen - und das im Land der Aufklärung und Vernunft.

Frankreichs Ausnahmestellung in der Welt geht zu Ende, das muss auch François Hollande akzeptieren.

(Foto: AFP)

Hollande und Sarkozy ließen sich von den Radikalen anstecken. Hollande, indem er das Kapital pauschal zum Feind erklärte. Sarkozy, indem er Hurra-Patriotismus betrieb und den Franzosen einredete, ihr Heil liege im Wiederaufbau von Grenzen. Vergessen zu sein schien die Warnung Mitterrands: "Nationalismus - das ist der Krieg." Nun gut, es war Wahlkampf.

Der kluge Hollande dürfte nun eine pragmatische, europafreundliche Politik betreiben. Er will den Euro auf keinen Fall zerstören. Die Ängste, die viele vor ihm haben, sind übertrieben. Natürlich wird der Sozialist darauf bestehen, die Sparpolitik der EU durch eine Wachstumsstrategie zu ergänzen. Doch das ist längst herrschende Meinung in der EU und wird auch von der Kanzlerin nicht mehr bestritten.

"Merklande" statt "Merkozy"

Angela Merkel hat Hollande im Wahlkampf geschnitten und ganz auf einen Sieg Sarkozys gesetzt. Dabei war Sarkozy mitnichten jener konstante Muster-Europäer, als der er in Berlin heute gepriesen wird. Er sparte erst, als Frankreich in den Abgrund blickte; und er hing weniger einem starken Europa an als einem Europa der starken Vaterländer.

Hollande könnte sich da noch als besserer Partner erweisen. Anders als "Merkozy" decken "Merklande" das konservativ-liberale und das sozialdemokratische Europa ab. Sie können als große Koalition dafür sorgen, dass deutsch-französische Vorgaben von den anderen Völkern akzeptiert werden.

Eine Verständigung mit Hollande wird die Kanzlerin davor bewahren, zum isolierten Hegemon der EU zu werden. Merkel bekommt in Hollande einen Partner, mit dem sie die Herausforderung Europas angehen kann: die Sanierung der Staaten und die Entwicklung eines Sozialmodells, das in der neuen Welt Bestand hat.

Reüssieren die beiden, wird die europäische Erfolgsgeschichte weitergehen. Scheitern sie, so könnten Angst, Frust und Wut der Bürger im Jahr 2017 einen Nationalpopulisten in den Élysée spülen.