Bundeswehroffizier Franco A.:Festgenommen nach Handgemenge mit der Polizei

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Bundeswehroffizier Franco A.: Auch Franco A., der wegen Terrorverdachts vor Gericht steht, hat versucht, Kontakt nach Russland herzustellen.

Auch Franco A., der wegen Terrorverdachts vor Gericht steht, hat versucht, Kontakt nach Russland herzustellen.

(Foto: Thomas Lohnes/dpa)

Franco A., der wegen mutmaßlicher Anschlagspläne derzeit vor Gericht steht, muss zurück in Untersuchungshaft. Bei einer Kontrolle fanden die Ermittler verdächtige Gegenstände.

Von Annette Ramelsberger

Seit Sommer 2021 läuft der Prozess gegen den rechtsextremen Bundeswehroffizier Franco A. bereits, die Bundesanwaltschaft wirft ihm die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor - sprich: Terror. Dazu Verstöße gegen das Kriegswaffengesetz, Diebstahl von Munition und Waffen sowie Betrug. Doch der Mann war auf freiem Fuß, bis jetzt. Nun aber ist er am Wochenende völlig überraschend festgenommen worden, am Montag wurde ihm der Haftbefehl eröffnet. Das Oberlandesgericht sieht bei ihm nun Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

Am Wochenende war Franco A., 32, Vater von drei kleinen Kindern und vom Dienst suspendiert, von Polizisten in seiner Heimatstadt Offenbach kontrolliert worden - angeblich weil er Corona-Vorschriften nicht einhielt. Dabei hatte er sich lautstark und tätlich gewehrt. Er habe Gegenstände mit sich geführt, die "als Beweismittel in Betracht kommen", erklärt das OLG nun. Franco A. war in seiner Zeit als aktiver Bundeswehroffizier illegal im Besitz mehrerer Waffen gewesen, über deren Verbleib er aber bisher schweigt. Der SWR berichtet, es seien Unterlagen für eine mögliche Flucht bei ihm gefunden worden.

Mehr als 25 Verhandlungstage hatte das Gericht sich bereits mit dem undurchsichtigen Fall des Franco A. befasst, der Prozess bog in die Zielgerade ein. Eigentlich waren für Ende Februar die Plädoyers geplant. Doch nun hat das Verfahren ungeahnte Dramatik entwickelt.

Franco A. hatte sich 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise eine zweite Identität als syrischer Asylbewerber verschafft. Mehr als ein Jahr bezog er finanzielle Unterstützung vom Staat, obwohl er gleichzeitig als Offizier in seiner Kaserne Dienst tat. Diesen Vorwurf der Anklage hat er eingeräumt. Die Polizei wurde erst auf ihn aufmerksam, als er im Februar 2017 am Wiener Flughafen Schwechat festgenommen wurde, als er eine Pistole aus einem Versteck holte. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, einen Anschlag geplant zu haben - und zwar unter seiner Identität als Asylbewerber. Es stellte sich heraus, dass Franco A. bereits in der Tiefgarage der Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin gewesen war, wo die Hassfigur der rechten Szene Anetta Kahane arbeitet. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, er habe einen möglichen Anschlag dem von ihm erschaffenen Syrer in die Schuhe schieben wollen. Bereits beim Studium bei der Bundeswehr war er durch eine antisemitische Abschlussarbeit aufgefallen.

Der Ton im Gerichtssaal war in den letzten Verhandlungstagen rauer geworden. Einmal erklärte der Vorsitzende Richter, er wolle sich keinen "antisemitischen Blödsinn" anhören.

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