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Fragebogen "Alte Schule":Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau, Jahrgang 1951, wuchs vom elften Lebensjahr an in einem Waisenheim in Freiburg auf. Er lernte Großhandelskaufmann, schloss sich der Lehrlingsprotestbewegung der Spätsechziger an, holte in Westberlin das Abitur nach und gründete einen Software-Betrieb. Seit 20 Jahren schreibt er politische Krimis. Mehrere seiner Romane um den Detektiv und früheren BKA-Ermittler Georg Dengler wurden von Lars Kraume für das ZDF vermittelt. Mit Co-Autor Claudio Caiolo schreibt er über den sizilianischen Commissario Morello: Soeben ist dessen zweiter Fall "Der Tintenfischer" erschienen.

(Foto: Timo Kabel//Kiwi)

Der Schöpfer von Detektiv Georg Dengler war schon als Schüler und Lehrling politischer Rebell. Die nötige Kraft verliehen ihm Tarzan und Ivanhoe.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Immer letzte Bank. Immer allein. Erst unfreiwillig als von allem ausgeschlossenes Kind einer alleinerziehenden Mutter. Später dann freiwillig, da war es der angemessene Platz des Klassenrebellen.

Influencer oder Follower?

Niemals Follower.

Mein Hobby in der Pause?

Schon damals: lesen - die großartigen Schundhefte wie Tarzan, Akim, Ivanhoe. Die Buchstabensucht aus dieser Zeit ist mir geblieben. Lesen ist für mich immer noch Weltflucht. Das Schreiben dagegen ist Hinwendung zur Realität.

Meine größte Stunde?

Als ich den Mist hinter mir hatte.

Das würde ich gern vergessen:

Ich verließ die Volksschule nach neun Jahren mit einem katastrophalen Zeugnis und in dem sicheren Bewusstsein, dass ich einfach total dumm bin. Dass ich später die Erfahrung machen durfte, dass es nicht so ist, hatte mit Schule nichts mehr zu tun.

Ein Denkmal gebührt ...

... Hedi, die mir die aufregendsten Dinge meiner Schullaufbahn gezeigt hat.

Lernen ist ...

... aufregend, wichtig, mit Spaß und Selbstbewusstsein verbunden - ich wünschte, die Schule hätte mehr damit zu tun.

Noten sind ...

... nach meiner Erfahrung die erprobte Methode sozialer Auslese.

Schule müsste ...

... sich grundlegend ändern und das tun, was ich oben beschrieben habe: Kinder ernst nehmen, ihr Selbstbewusstsein stärken und Spaß machen.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... niemandem.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... Pfarrer Didas für die vielen harten Schläge und eine andere Sache, an die ich mich - Gott sei an dieser Stelle ausnahmsweise mal Dank - nur noch dunkel erinnern kann.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule".

© SZ/skle
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