Fox-News-Chef Roger Ailes:Feldzug gegen Obama speist sich aus Profitstreben von Fox News

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Während Ailes vor der Wahl 2008 einen Sieg von Barack Obama als die "schlimmste Sache für die USA" bezeichnete, witterte er später ein gutes Geschäft. Die Wut des konservativen Amerikas auf Obama, die sich auch im Erfolg der Tea-Party-Bewegung niederschlug, sorgte bei Fox News für beste Einschaltquoten und gute Werbeeinnahmen. Oft habe Ailes seine Meinung über die Obama-Regierung in Meetings verbreitet: "Sie hassen Amerika, sie hassen den Kapitalismus!", wie Sherman schildert. Mehrmals hätten Obama-Berater wie David Axelrod bei Gesprächen um eine Art "Waffenstillstand" gebeten, was Ailes persönlich ablehnte.

Ailes führe seinen TV-Sender wie ein absolutistischer König. Gern spielt er seine Topmanager gegeneinander aus, keiner dürfe sich seiner Sympathie auf Dauer sicher sein. Konkurrenten beschimpfte Ailes als "kleine Juden" und Buchautor Sherman zitiert eine TV-Journalistin, die in den achtziger Jahren ein Vorstellungsgespräch bei Ailes hatte, der damals für NBC arbeitete. "Ich zahle dir 100 Dollar pro Woche mehr, wenn du immer mit mir Sex hast, wenn ich das wünsche", soll er gesagt haben. Auch privat ist der Fox-News-Boss kein angenehmer Zeitgenosse: Als ein Beamter mit Ailes über dessen Prunkbau im Bundesstaat New York sprechen wollte, habe der Konservative gedroht: "Ich werde dein Leben zerstören."

Ailes verweigerte Zusammenarbeit mit Autor Sherman

Gabriel Sherman, der vor allem für das New York Magazine schreibt, erklärte der New York Times in einer E-Mail die Gründe für das Buchprojekt: "Ich halte Roger Ailes für einen der faszinierendsten und einflussreichsten Männer im heutigen Amerika. Ich will seine Talente und seine Macht ans Licht der Öffentlichkeit bringen, die sich vor allem bei Fox News zeigen."

Trotz dutzender Anfragen, so berichtet es Sherman, habe Roger Ailes ein Interview abgelehnt. Stattdessen wurde der konservative Journalist Zev Chafets beauftragt, eine "offizielle Biographie" zu schreiben - und Chafets durfte natürlich ausführlich mit dem Maestro sprechen.

Medienexperten wie David Carr, der Ailes seit Jahren kennt, halten Shermans Beschreibung für korrekt: Der Fox-News-Gründer sei durch und durch paranoid und überzeugt, dass sich die Welt gegen ihn verschworen habe. Diese Haltung ist unter Amerikas Konservativen weit verbreitet, wie Bestseller-Autor Thomas Frank im SZ-Interview erklärte: "Fox News hämmert den Leuten ein: 'Obwohl ihr gute Patrioten seid, hart arbeitet, brav Steuern zahlt und an Gott glaubt, behandelt euch die Welt mies.'"

Gegen den jungen Reporter Sherman, dessen Buch mehr als 100 Seiten Anmerkungen mit Quellenangaben enthält, läuft nun eine Schmutzkampagne. Ständig wiederholen Sprecher von 21st Century Fox, der Muttergesellschaft von Fox News, dass Sherman ihnen nicht die Möglichkeit gegeben habe, die Behauptungen zu überprüfen. Dieses Argument ist Fox News in Reinkultur, wie David Carr bilanziert: Erst verweigert Roger Ailes die Zusammenarbeit, nun wird der Autor dafür attackiert, dass er nicht mit Ailes geredet habe.

Womöglich schmerzt den Fox-News-Gründer vor allem eins: Als Medienprofi ist er es gewohnt, die Kontrolle über eine Story zu haben und ein Image prägen zu können. Jetzt, da es um seine eigene Lebensgeschichte geht, kämpft er mit allen Mitteln.

Linktipp: Ein Auszug aus der Biographie über Roger Ailes ist beim New York Magazine nachzulesen. Eine ausführliche Kritik erschien am Wochenende in der Buchbeilage der New York Times. In der Fachzeitschrift Hollywood Reporter erschien kürzlich ein sehr zahmes Interview mit Roger Ailes. Ein aufschlussreiches Interview mit Gabriel Sherman bei CNN ist hier und hier zu sehen.

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