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Forza Italia:Diesmal meint es Berlusconi ernst

Nun soll Parisi also Forza Italia wiederbeleben, die Kreation Berlusconis. In guten Zeiten hatte sie ein Drittel der Italiener zu verführen vermocht. Sie lebte ganz von Berlusconi: vom Charisma, dem Geld und den Slogans des Parteigründers. Seit einigen Jahren ist die Partei und mit ihr das gesamte Rechtslager führungs- und orientierungslos; in Umfragen sagen nur noch zwölf Prozent, dass sie Forza Italia wählen. Und von dieser Schwäche profitierte vor allem die Protestbewegung Cinque Stelle, die zur wichtigsten italienischen Oppositionspartei gereift ist - gleichauf mit Premier Matteo Renzis Partito Democratico. Renzi ist also durchaus daran interessiert, dass es Parisi gelingt, einen Teil der Verluste von Forza Italia wieder wettzumachen.

Gelingen soll das mit einer ambitionierten Idee: Parisi will Forza Italia zur Heimat für alle "liberal-popolari" umbauen, wie er die bürgerlich-liberale Mitte nennt. Er denkt dabei auch an die vielen Christdemokraten, die seit dem Ende der einst mächtigen Democrazia Cristiana noch immer kein festes Zuhause haben. Einen neuen Namen soll sich Parisi auch ausdenken. Und neues Führungspersonal braucht die Partei natürlich auch, möglichst viele Leute sollen aus der Zivilgesellschaft kommen. Bereits im September wird Parisi seinen Plan in einer großen "Convention" vorstellen. Es soll schnell gehen, die Wiederbelebung ist eine Notoperation.

Berlusconi mag Parisi, weil er in ihm einen Macher sieht, wie er selbst einmal einer war (oder vorgab zu sein) - damals, 1994, als alles begann mit "Vorwärts Italien". Nicht so populär ist der Quereinsteiger hingegen in der mittleren Hierarchie der Partei, die um Posten und Privilegien fürchtet und schon mal bei Berlusconi protestiert. Skeptisch ist auch Matteo Salvini, der Chef der Lega Nord, dessen Allianz mit Marine Le Pen so gar nicht in Parisis Konzept passt. Ähnliches ließe sich von den Postfaschisten sagen.

Doch Berlusconi scheint es ernst zu sein, diesmal schon. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er einen "Delfino" losziehen lässt, wie die Italiener mögliche Nachfolger nennen. Bisher war es aber so, dass die vermeintlichen Erben Karrierepolitiker waren und bald scheiterten, weil sie sich (a) zu wenig erkenntlich zeigten, den Mentor (b) allzu schnell loswerden wollten oder weil sie (c) nicht auf der Höhe waren. Parisis Geschichte geht anders, er ist dem Chef nichts schuldig. Der Schatten aber bleibt der alte.

© SZ vom 02.08.2016

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