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Forsa-Chef über Westerwelle:"Zu oft an der falschen Stelle gegrinst"

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärt im Gespräch mit sueddeutsche.de, warum die FDP die Wähler enttäuscht hat - und warum Panik dennoch fehl am Platz ist.

sueddeutsche.de: Herr Güllner, Sie verbreiten derzeit Woche für Woche für die FDP nicht gerade schmeichelhafte Zahlen. Bei Ihnen liegt sie jetzt bei sieben Prozent. Sie werden von der FDP-Spitze schon als Alchemist beschimpft, der mit den Umfragewerten nur seine persönliche Meinung wiedergebe. Stimmt etwas mit Ihren Werten nicht, oder doch eher etwas mit der FDP nicht?

Westerwelle, Güllner, dpa

"Die Leute haben schlicht den Eindruck, er macht seinen Job nicht gut." Guido Westerwelles Zeugnis als Außenminister fällt nach Meinung von Manfred Güllner nicht gut aus.

(Foto: Foto: dpa, Montage: sueddeutsche.de)

Manfred Güllner: Die FDP reagiert wohl etwas panikartig. Sie hat sogar eine Krisensitzung veranstaltet, weil die Umfragewerte sinken. Das ist ein schlechtes Zeichen. Die FDP müsste eigentlich wissen, dass wir lediglich Pendelschläge der politischen Stimmung messen. Die Werte können wieder nach oben gehen. Sie können auch weiter nach unten gehen. Man darf wegen solcher aktueller Stimmungslagen nur nicht in Panik verfallen.

sueddeutsche.de: Die FDP hat seit der Bundestagswahl die Hälfte ihrer Wähler verloren. Wie sollte sie da nicht in Panik verfallen?

Güllner: Die FDP hat doch vier Jahre Zeit. Bis auf die Wahl in Nordrhein-Westfalen, die auch erst im Mai stattfindet, stehen keine größeren Wahlen an. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum die Spitzenleute der FDP jetzt schon so aufgewühlt sind.

sueddeutsche.de: Wie konnte es zu diesem Einbruch in der Wählergunst kommen?

Güllner: Die FDP hat offensichtlich die Erwartungen ihrer Wähler falsch eingeschätzt. Wir haben die Wähler vor der Bundestagswahl gefragt, was sie sich von der FDP in einer Regierung erhoffen. Die waren gar nicht so sehr auf die Steuersenkungen erpicht. Das wurde als eines der Versprechen abgetan, die Politiker nach der Wahl ohnehin nicht halten.

sueddeutsche.de: Was wollte die FDP-Wähler dann? Steuersenkungen sind immerhin seit Jahren das Kernthema der FDP.

Güllner: Die Wähler der FDP gehören dem klassischen Mittelstand an. Sie hätten sich gewünscht, dass die FDP etwas gegen die Überregulierung unternimmt. Da hat die FDP nichts getan. Ich nehme nur das Beispiel Elena...

sueddeutsche.de: ... das Verfahren, mit dem Arbeitnehmerdaten zentral erfasst werden sollen, sich aber in der Einführungsphase für die Unternehmen als äußerst unpraktikabel erweisen hat.

Güllner: Ja. Die FDP hätte die Probleme mit einem Wisch aus der Welt schaffen können. An solchen Details wird die FDP von ihren Wählern gemessen. Nicht dran, ob ein paar Euro weniger Steuern zu Zahlen sind. Auch FDP-Wähler wollen, dass nach dem harten Winter die Straßen repariert werden, die Schwimmbäder wieder öffnen und ihre Kinder und Enkelkinder in ordentlichen Schulen unterrichtet werden.

sueddeutsche.de: Mit anderen Worten: Die Wähler haben der FDP den Auftrag gegeben, Regulierung und Bürokratie abzubauen, aber nicht die Lizenz zu Steuersenkungen?

Güllner: Die FDP hat zu wenig darauf geachtet, was ihre Wähler tatsächlich von ihr wollen. Darum gibt es keine Täuschung, sondern eine Enttäuschung der Wähler. Es ist dieses krampfhafte, ja starrsinnige Festhalten an Steuersenkungen, was die Wähler nicht wollen. Hinzu kommt, dass die Wähler Streit nicht mögen, schon gar nicht zwischen Koalitionspartnern.

Lesen Sie auf Seite 2, was insbesondere Guido Westerwelle falsch macht.

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