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Folgen der Schlecker-Insolvenz:25.000 Angestellte suchen neue Jobs

Gut sind die nicht. Von den 11.000 in der ersten Kündigungswelle entlassenen Frauen sind mehr als zwei Monate später zwar 5000 wieder aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet, etwa die Hälfte davon befindet sich aber nur in Fördermaßnahmen. In welche Art Jobs die übrigen Frauen gekommen sind, ist ungewiss. Bsirske berichtete von Einzelfällen, in denen Schlecker-Frauen von der Arbeitsagentur unbezahlte Praktika angeboten worden seien. Insgesamt suchen nach der endgültigen Insolvenz der Firma 25.000 Angestellte neue Jobs. Sie träfen in der Einzelhandelsbranche derzeit bundesweit auf 360.000 Arbeitssuchende und 25.000 unbesetzte Stellen, so Bsirske.

Er und von der Leyen raten den Frauen nun dazu, sich in sogenannte Mangelberufe umschulen zu lassen. Gemeint sind vor allem: Erzieherinnen für Kindertagesstätten und Altenpflegerinnen. In strukturschwachen Regionen seien die Chancen, eine neue Stelle im Einzelhandel zu finden, nicht besonders groß, so die Ministerin. Dafür würden dort "händeringend" Erzieherinnen und Altenpflegerinnen gesucht. Von der Leyen verwies auf eine bestehende "Initiative zur Flankierung des Strukturwandels", aus der Mittel genutzt werden könnten, um die Umschulung zu bezahlen.

Von der Leyen wie auch Bsirske betonten, dass die Standards der Berufe gewahrt bleiben sollten. Niemand rede hier von einer "Schmalspurausbildung", sagte Bsirske. Die Ministerin wiederum warnte indirekt davor, die arbeitslosen Frauen als untauglich abzustempeln. "Sie sind selbstverständlich so gut wie jeder andere geeignet, als Erzieherinnen zu arbeiten." Man wolle "beherzt ein Angebot machen" und würde sich freuen, wenn "viele Arbeitssuchende es annehmen würden". Für die Dauer der mindestens zweijährigen Umschulung erhalten die Frauen Arbeitslosengeld, also 67 Prozent ihres letzten Lohnes.

Familienministerin Kristina Schröder begrüßte die Ankündigung von der Leyens. "Es geht hier nicht darum, jemanden in eine Umschulung zu pressen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass unter diesen lebenserfahrenen Frauen viele mit Freude und Engagement diese neue berufliche Chance ergreifen wollen", sagte sie der Süddeutschen Zeitung.

"Bei der Suche nach qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern müssen wir möglichst breit aufgestellt sein", sagte Schröder. Dabei werde streng auf die Qualität der Aus- und Weiterbildungsinitiativen geachtet, "denn wir arbeiten hier in einem sehr sensiblen Bereich", so die Familienministerin. "Ich könnte mir vorstellen, dass auch andere Fachressorts noch auf bislang unbekannte oder zu wenig beachtete Möglichkeiten stoßen, den Kita-Ausbau voran zu bringen."

© SZ vom 08.06.2012

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