Flutkatastrophe:"Wir werden uns dieser Naturgewalt entgegenstemmen"

Mehr als 150 Menschen werden in den Hochwassergebieten tot geborgen. Bundeskanzlerin Merkel kündigt bei ein umfassendes Hilfspaket des Bundes an.

Von Jens Schneider und Tobias Zick, Berlin/München

Die Flutkatastrophe nach den schweren Regenfällen hat am Wochenende weitere Todesopfer gefordert. Allein in den betroffenen Gebieten in Westdeutschland wurden bis zum Sonntagnachmittag mehr als 150 Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz tot geborgen. Auch in Sachsen und Bayern kam es zu massiven Überflutungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei einem Besuch im rheinland-pfälzischen Adenau am Sonntag ein Hilfspaket des Bundes an. Die Verwüstungen seien enorm, sagte sie. "Deutschland ist ein starkes Land. Wir werden uns dieser Naturgewalt entgegenstemmen."

Die Bundeskanzlerin besuchte am Sonntagmittag gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die besonders betroffene Eifel. Dort und auch in Nordrhein-Westfalen wird weiter nach Toten und Verletzten gesucht. So wird befürchtet, dass sich die Opferzahl noch weiter erhöhen könnte. Viele Strom- und Telefonleitungen sind unterbrochen. Brücken, Straßen und Bahnstrecken liegen in Trümmern. "Es wird lange dauern, bis die Leute wieder sagen können: Ich erkenne meine Heimat wieder", sagte Dreyer.

Während sich dort und im Südwesten von NRW die Wassermassen vielerorts zurückgezogen haben, führten neue Regenfälle in Südostbayern, der Sächsischen Schweiz und Österreich für Überschwemmungen. Im besonders stark betroffenen Landkreis Berchtesgaden in Oberbayern galt auch am Sonntag noch der Katastrophenfall. Der Fluss Ache war am Samstagabend über die Ufer getreten, Hänge rutschten ab. Dabei starb mindestens ein Mensch. In Berchtesgaden, Schönau, Ramsau und Bischofswiesen waren insgesamt etwa 900 Hilfskräfte im Einsatz; sie mussten mehr als 130 Menschen in Sicherheit bringen. In Passau stiegen die Pegelstände von Donau und Inn massiv, die Uferpromenade sowie Parkplätze wurden überflutet. Mehrere Bahnstrecken in Oberbayern wurden gesperrt.

Söder spricht von einem "Weckruf der Natur"

Am Sonntagnachmittag besuchten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Flutgebiete in Bayern. Scholz erklärte, es sei eine große Anstrengung von Bund und Ländern für den Wiederaufbau nötig. "Es geht eher um Milliarden", sagte er. Auch Söder sagte Hilfe zu und erklärte, man müsse schneller gegen den Klimawandel und dessen Folgen vorgehen: "Wir haben die letzten Tage einen unglaublichen Weckruf der Natur erlebt."

Im Laufe des Abends entspannte sich die Lage in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein etwas, die Pegelstände mehrerer Flüsse und Bäche gingen allmählich zurück.

Kritik gab es unterdessen am CDU-Chef und nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), nachdem auf Fernsehbildern zu sehen war, wie er während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Erftstadt im Hintergrund lachte und mit seinen Begleitern scherzte. Später erklärte Laschet auf Twitter: "Das war unpassend und es tut mir leid". In einer Fernsehansprache am Sonntagabend sprach er sich für mehr Vorsorge gegen Extremwetter aus.

© SZ
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