Hochwasser:"Das Leid nimmt immer weiter zu"

Die Flutkatastrophe fordert mehr als Hundert Menschenleben, viele werden noch vermisst.

Von Julia Bergmann, München

Mindestens 106 Tote, unzählige Vermisste und Wassermassen, die ganze Ortsteile mit sich reißen. Die Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist mit Sicherheit eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der jüngeren deutschen Geschichte. Ihr tatsächliches Ausmaß ist aber noch lange nicht abschätzbar. Noch immer steht das Hochwasser in vielen Städten und Landkreisen.

"Unser Land hat so etwas noch nie gesehen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). "Das Leid nimmt immer weiter zu." Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellte fest: "Unser Land erlebt eine Flutkatastrophe von historischem Ausmaß."

Beide Bundesländer hat die Katastrophe hart getroffen. Schwerpunkte sind dabei der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz und der Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. In Rheinland-Pfalz liegt die Zahl der Todesopfer am Freitagnachmittag bei 63. Die Fluten seien schneller gekommen, als die Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden können, hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) bereits am Donnerstagabend gesagt.

In Nordrhein-Westfalen sind Stand Freitagabend 43 Menschen in Folge des Unwetters gestorben. Die Situation sei weiterhin kritisch, besonders in Erftstadt im Ortsteil Blessem, wie Laschet erklärte. Bis in den Freitagnachmittag hinein liefen dort Evakuierungsmaßnahmen. In Erftstadt waren am Vormittag bei Hauseinstürzen mehrere Menschen ums Leben gekommen. Ursache seien "massive und schnell fortschreitende Unterspülungen" der Häuser gewesen, wie die Bezirksregierung mitteilte. "In diesen Stunden tun wir gemeinsam mit Kommunen und Helfern alles, um weiteren Schaden abzuwenden und Leben zu retten", betonte Laschet. Etwa 19 000 Kräfte etwa von Feuerwehr und THW seien im Einsatz.

Auch die Bundeswehr hatte zur Unterstützung etwa 900 Soldaten in 20 Landkreise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geschickt. Die Katastrophenhilfe habe für sie "oberste Priorität", wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mitteilte.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach den Angehörigen der Todesopfer sein tiefes Mitgefühl aus: "Ihr Schicksal trifft mich ins Herz." Nun gelte es, solidarisch zu sein. Die Betroffenen seien in den kommenden Tagen auf Hilfe angewiesen. "In der Stunde der Not steht unser Land zusammen", betont Steinmeier. Am Samstag will er Erftstadt und den Rhein-Erft-Kreis besuchen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel plant einen baldigen Besuch.

Wie groß die durch die Flut verursachten Schäden tatsächlich sind, werde sich erst zeigen, wenn das Wasser vollständig verschwunden ist, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) haben bereits finanzielle Unterstützung des Bundes zugesagt. Wie diese genau aussehen wird, ist bisher noch unklar. Das Bundeskabinett will sich am kommenden Mittwoch mit den Hilfen beschäftigen.

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