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Flugsicherheit:Akkus unter Verdacht

Auch bei spontanen Geschäftsreisen ins Ausland müssen Arbeitnehmer nachweisen, dass sie in Deutschland sozialversichert sind.

(Foto: David Goldman/AP)

Welche Folgen das Verbot von Elektrogeräten hat - und warum es auch neue Risiken für Passagiere hervorbringt.

Amerikanische und britische Behörden haben die Airlines angewiesen, auf Flügen aus bestimmten Ländern im Nahen Osten, in Nordafrika und der Türkei elektronische Geräte nicht mehr im Handgepäck zuzulassen. Was steckt dahinter? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welche Geräte sind betroffen?

Das US-Heimatschutzministerium hat eine Liste veröffentlicht. Verboten sind demnach Laptops, Tablet-Computer, E-Reader, Kameras, tragbare DVD-Spieler, Drucker, Scanner und Spiel-Geräte, wenn sie größer als ein übliches Smartphone sind. Genauere Angaben machte das Ministerium nicht. Großbritannien hat maximale Maße für Handys veröffentlicht: 16 Zentimeter lang, 9,3 Zentimeter breit und 1,5 Zentimeter hoch.

Was ist der Auslöser für das neue Verbot?

Berichten amerikanischer und britischer Medien zufolge haben US-Geheimdienste Hinweise darauf, dass die Terrormiliz Islamischer Staat Anschläge plant mit Bomben, die in elektronischen Geräten versteckt sind. Die Bomben hätten angeblich in Laptop-Batterien verborgen werden sollen. Es gebe aber keine akute Bedrohung. Laut BBC bewerteten die amerikanischen Sicherheitsbehörden die Informationen als "begründet und glaubwürdig".

Warum bleiben die Geräte auf deutschen Flügen erlaubt?

Im Luftverkehr ergreift man Vorsichtsmaßnahmen normalerweise nicht alleine, sondern gemeinsam, etwa das Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck. Solche Regeln gelten mindestens europaweit. In diesem Fall ist es anders. Die deutschen Behörden wurden zwar vorab informiert über den Plan, entschieden aber, zumindest derzeit nicht mitzuziehen, hieß es am Mittwoch aus dem Bundesinnenministerium. Dafür gibt es zwei denkbare Erklärungen: Entweder beziehen sich die Gefahrenhinweise der Briten und Amerikaner nur auf britische und amerikanische Ziele. Oder die Deutschen sind nicht überzeugt von dem, was ihnen die Partner vorgetragen haben.

Ist es sicherer, wenn die Geräte im aufgegebenen Gepäck transportiert werden?

Für die Kontrolle des Handgepäcks und des aufgegebenen Gepäcks wird an vielen Flughäfen unterschiedliche Technik verwendet. In den Systemen für aufgegebenes Gepäck werden in aller Regel Scanner eingesetzt, die mit Computer-Tomografie hochauflösende dreidimensionale Bilder der Gepäckstücke erzeugen. Diese können dann mit einer Datenbank abgeglichen werden, die hilft, Muster möglicher Bedrohungen zu erkennen. Dagegen liefern die Handgepäck-Scanner auf Basis von Röntgen-Technologie oft nur zweidimensionale Bilder. Eine mögliche Erklärung für das Laptop-Verbot ist: Die Geheimdienste vermuten, dass die Zünder von Bomben manuell ausgelöst werden müssen oder die Komponenten einer Bombe von mehreren Personen oder auf mehrere Geräte verteilt an Bord gebracht und erst dort zusammengebaut werden sollen.

Sind die betroffenen Flughäfen unsicher?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Während die Flughafensicherheit in manchen der betroffenen Länder noch nicht höchsten Standards genügt, gilt etwa Abu Dhabi als vergleichsweise sicher.

Manche Airline-Analysten vermuten, mit dem Verbot wollten die USA heimische Fluggesellschaften vor der arabischen Konkurrenz schützen. Was ist da dran?

Gegen diese Hypothese spricht, dass die britischen Behörden sich dem amerikanischen Schritt angeschlossen haben. Von der Entscheidung der Regierung in London sind außerdem auch britische Gesellschaften betroffen, darunter British Airways und Thomas Cook. Schon jetzt fliegen weniger Menschen aus dem Nahen Osten in die USA - wegen Donald Trump. Insgesamt fallen pro Tag nach Angaben der US-Regierung etwa 50 Verbindungen unter die neuen Beschränkungen. Für eine vermeintliche Strafaktion der Trump-Regierung gegen arabische Airlines wäre das ein recht überschaubarer Umfang.

Wie reagieren die betroffenen Länder?

Besonders große Aufregung rufen die Vorschriften in der Türkei hervor. Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hält das Verbot für den falschen Weg. Ihm sei aber von den USA zugesichert worden, dass es sich um eine vorübergehende Maßnahme handele. In der türkischen Presse fällt das Urteil verheerend aus. Die linke Zeitung Evrensel schreibt, Passagiere vom Flughafen Istanbul würden nun als Terroristen betrachtet. Die eher liberale Zeitung Posta meint, es gehe darum, die Türkei zu diffamieren. Ein ähnlicher Verdacht wird zumindest im Schutz der Anonymität auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten geäußert.

Könnte die Entscheidung der USA die Sicherheitslage auch verschlechtern?

Ja, durchaus. Von den zehn betroffenen Flughäfen aus werden nun Hunderte elektronischer Geräte, von denen viele mit Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet sind, in den Frachtraum verladen. Diese Akkus sind wegen ihrer Entflammbarkeit in der Luftfahrt gefürchtet und dürfen in größeren Mengen nur unter Auflagen befördert werden. Im Frachtraum haben die Flugbegleiter keinen Zugang zu den Geräten und können mögliche Feuer nicht löschen.

Gibt es noch eine Chance, an Bord der betroffenen Flüge zu arbeiten?

Wer halbwegs komfortabel tippen will, kann Bluetooth-Tastaturen nutzen, die für alle gängigen Smartphones erhältlich sind. Auf ihnen ist Tippen immerhin einfacher als direkt auf dem Touchscreen des Handys. Der Bildschirm bleibt aber natürlich klein.

Wie können sich Reisende vorbereiten?

Wer seinen Laptop aus der Hand gibt, hat keine Kontrolle mehr darüber, wie er behandelt wird oder ob er von Grenzbeamten durchsucht wird. Passagiere sollten auf jeden Fall ein vollständiges Back-up ihrer Daten anlegen, um sie bei Schaden oder Verlust wiederherstellen zu können. Das Standard-Zugangspasswort schützt einen Rechner nur oberflächlich. Wer befürchtet, ausspioniert zu werden, und seinen Laptop nicht einfach zu Hause lassen kann, sollte vor dem Start seine Festplatte verschlüsseln. Wer sensible Daten nicht mitnehmen will, aber nach dem Flug mit ihnen arbeiten muss, kann sie bei einem Cloud-Anbieter hochladen. Dann kann er die Daten vor dem Abflug vom Gerät löschen und nach der Landung wieder herunterladen.

© SZ vom 23.03.2017
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