Flughafen Köln-Bonn Brandgefährlicher Sparkurs

Rutschige Böden sind nicht das größte Risiko in Köln-Bonn.

(Foto: Jürgen Hanel/imago)

Interne Dokumente belegen, dass Sicherheitsmängel über Jahre nicht behoben wurden. Ob der Geschäftsführer seine Pflichten missachtet hat, untersucht nun die Staatsanwaltschaft.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Auf dem Papier blickt Michael Garvens auf erfolgreiche 15 Jahre zurück: Mit ihm als Geschäftsführer ist der Flughafen Köln-Bonn zum größten Standort von Billigfliegern in Deutschland aufgestiegen; die Lufthansa-Tochter Eurowings etwa hebt neuerdings von Köln nach Las Vegas oder Bangkok ab. Insgesamt ist der Flughafen der siebtgrößte in Deutschland, beim Frachtverkehr die Nummer drei; er wächst, seitdem der CDU-Mann Garvens in die Geschäftsführung der Flughafen Köln-Bonn GmbH (FKB) rückte. Die Gesellschaft, die komplett der öffentlichen Hand gehört, erwirtschaftet Gewinne, als einer der wenigen Flughäfen hierzulande.

Über der Affäre tobt auch noch ein parteipolitischer Konflikt

Doch nun steckt Garvens in Erklärungsnöten. Der Aufsichtsrat der FKB hat den 58-Jährigen bis Mitte Dezember beurlaubt. Hinter den Kulissen des Flughafens rumort es. Beschäftigte der Betreibergesellschaft haben schwere Vorwürfe gegen die eigene Geschäftsführung erhoben. Der Flughafen habe etwa Rechnungen ohne klare Gegenleistung bezahlt oder Brandschutzmängel nicht behoben. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen eines Anfangsverdachts der Untreue gegen Garvens - während seine Anwälte mitteilen, dass Garvens stets auf eine ordnungsgemäße Rechnungslegung geachtet habe und jederzeit bereit sei, an der Aufklärung mitzuwirken. Und über allem tobt ein politischer Konflikt, da der Flughafen je zu gut 30 Prozent dem Bund, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln gehört.

Wie nun bekannt wurde, warnt eine Fachabteilung des Flughafens, dass die Brandschutzanlagen im Terminal 1 "teilweise in einem desolaten und veralteten Zustand" seien. Es sei wahrscheinlich, dass sich Rauch in dem Terminal ausbreiten könnte, das Ende der Sechzigerjahre eröffnet wurde. So steht es in einem Aktenvermerk von Mitte August, der dem WDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Anlass der Sorge: Viele alte Rohre und Kabel, Leitungen und Schächte würden zwar nicht mehr genutzt, "jedoch vermutlich aus Kostengründen im Gebäude belassen". Gerade die Kabel seien "erhebliche, unnötige Brandlasten". Es sei überfällig, die Mängel der Bauaufsicht zu melden.

WDR und SZ liegen externe Gutachten sowie ein Bericht der Innenrevision an die Geschäftsführung des Flughafens vor. Darin kritisieren die Prüfer "einen hohen Zeitaufwand", bis Mängel behoben würden. In Stichproben sei etwa eine defekte Brandschutzklappe aufgefallen, die 27 Monate lang nicht repariert worden sei. Im Unglücksfall würden solche Zeiträume "schwer vermittelbar sein" und "hinsichtlich der Verantwortlichkeit hinterfragt", warnen die Prüfer die Geschäftsführung im September. Am nahen Flughafen Düsseldorf waren im Jahr 1996 bei einer Brandkatastrophe 17 Menschen gestorben.

Wie weitere Dokumente belegen, haben Gutachter bereits seit dem Jahr 2005 Schäden an der großen Start- und Landebahn des Flughafens festgestellt. Sie wurde zuletzt im Jahr 1995 saniert; die erwartete Nutzungsdauer von 15 Jahren ist längst überschritten. Zuletzt musste der Flughafen im August die Landebahn für drei Stunden sperren, weil eine Stelle repariert werden musste. Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb "waren erheblich", heißt es in einem Vermerk der Geschäftsleitung.

Geschäftsführer Garvens bestreitet Vorwürfe, wonach er Brandschutzmängel in Köln-Bonn verschleiert habe. Der Aufsichtsrat erhalte jährlich einen ausführlichen Brandschutz-Bericht, betonen Garvens' Anwälte in einer Mitteilung. Demnach sei die Sicherheit von Leib und Leben nicht gefährdet gewesen. Zu den weiteren Dokumenten äußert sich Garvens auf Anfrage nicht. Auch die Betreibergesellschaft verweist auf laufende Ermittlungen.

Politisch brisant sind die Vorwürfe, da Regierungsmitglieder die Geschäftsführung überwachen. Neben Arbeitnehmer-Vertretern bilden Entsandte des Bundes, des Landes, der Städte Köln und Bonn sowie zweier Kreise den Aufsichtsrat der FKB. Bislang führt Kurt Bodewig (SPD) das Gremium. Der frühere Bundesverkehrsminister hatte die Aufklärung der Vorwürfe vorangetrieben. Eine Anwaltskanzlei und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft haben fünf Themen untersucht, darunter den Brandschutz. In keinem der Felder konnten die Prüfer Vorwürfe ausräumen. Dennoch rief die nordrhein-westfälische Landesregierung Bodewig vor zwei Wochen vom Posten des Aufsichtsrat-Chefs ab - wenige Tage, bevor Kanzlei und Wirtschaftsprüfer ihre Ergebnisse vorlegten. Sein Nachfolger soll der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz werden. Die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf bezeichnet die Rochade als "geübte Praxis" im Zuge eines Regierungswechsels. SPD und Grüne warnen hingegen, der Wechsel dürfe die Aufklärung nicht behindern.

Nun untersucht die Staatsanwaltschaft, ob Geschäftsführer Garvens seine Pflichten missachtet hat - oder ob der CDU-Mann Opfer parteipolitischer Kämpfe ist. Während der Aufsichtsrat der FKB vor gut einer Woche die Prüfergebnisse beriet und über seine Beurlaubung entschied, habe Garvens "wenige Meter neben dem Sitzungssaal" in seinem Büro gesessen. Das Kontrollgremium habe ihn aber nicht angehört. Der 58-Jährige gab sich zuletzt kämpferisch: Er werde seine Aufgaben "weiter mit Engagement und Erfolg erfüllen", ließ er über seine Anwälte verlauten.

Die nächste Prüfung steht an diesem Dienstag an: Die Bauaufsicht der Stadt Köln hat gegenüber dem WDR angekündigt, den Brandschutz am Flughafen erneut zu überprüfen.